Letztes Update: 16.11.2020
Die Lesezeit beträgt in etwa ~ 13 Minuten.

Welche Kameraeinstellung für Verschlusszeit, Blende und ISO ist die beste? Worin liegen die Unterschiede? Was sind die richtigen Einstellungen für welches Motiv? In diesem Artikel gebe ich dir alle wichtigen Tipps und Informationen, um die richtigen Kameraeinstellungen in den unterschiedlichen Modi der Kamera für deine Fotos zu finden.

Kameraeinstellungen - Sonnenaufgang mit Sonnenstern
Vizima | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/25 Sekunde, ISO100 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Polfilter + Stativ

Einleitung & Motivation

Die Tatsache, dass eine (im konventionellen Sinn) technisch fehlerhafte Fotografie gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, dass technische Perfektion den wahren Wert eines Fotos ausmacht.

Andreas Feininger

Ich werde sehr oft gefragt, was denn die genauen Einstellungen für ein bestimmtes Bild sind. Für Fotografie Anfänger können die ganzen Werte und Einstellungsmöglichkeiten an einer Kamera erst einmal verwirrend und überfordernd wirken. In der Realität nehme ich aber 90% meiner Landschaftsfotos mit den fast immer gleichen Einstellungen von Blende, Verschlusszeit und ISO auf. Es ist also kein Hexenwerk. Warum ich meistens genau diese Werte verwende, erkläre ich dir in diesem Artikel.

Standard Kameraeinstellungen

Das Zusammenspiel der drei Komponenten des fotografischen Dreiecks habe ich im Artikel über Blende, Verschlusszeit und ISO versucht einfach und anhand von Beispielen zu erklären. In den folgenden Abschnitten gehe noch einmal kurz auf deren Bedeutung für das Foto ein.

Blende der Kamera

Grundlagen der Blende

Die Blende der Kamera regelt, wie viel Licht durch das Objektiv auf den Sensor fällt. Ist sie weit geöffnet (z.B. F/1.8) gelangt sehr viel Licht auf den Sensor. Bei geschlossener Blende (z.B. F/22) fällt nur wenig Licht durch die Linse auf den Sensor der Kamera.

Dabei gilt, je weiter offen die Blende ist, umso kürzer ist die Belichtungszeit für ein optimales Histogramm. Je weiter du die Blende für den Belichtungsvorgang schließt, umso länger dauert dieser, um die Szenerie gut belichtet auf den Sensor zu bannen.

Abbildung: Blende der Kamera
Abbildung: Blende der Kamera veranschaulicht

Die Öffnung der Blende hat also eine direkte Auswirkung auf die Verschlusszeit. Was in der Praxis für Landschaftsfotografen aber noch wichtiger ist, ist die Auswirkung, die sie auf die Tiefenschärfe im Bild hat.

Wirkung auf die Tiefenschärfe

Es gilt grundsätzlich: je weiter geschlossen die Blende ist, umso mehr Tiefenschärfe hast du in deinem Foto. Das bedeutet vom Fokuspunkt des Bildes aus ist alles, was dahinter liegt, scharf im Foto abgebildet. Eine geöffnete Blende zeichnet dagegen alles nach dem Fokuspunkt weich. Diesen Bereich nennt man Bokeh. Durch die Bauart bedingte Besonderheiten der Blende der unterschiedlichen Objektive sieht dieses Bokeh und auch z.B. der Sonnenstern bei jedem Objektiv etwas anders aus.

Aus der Theorie wäre jetzt zu erwarten, dass Kamera und Linse bei einer maximal geschlossenen Blende die beste Tiefenschärfe für dein Bild produzieren. Das ist aber natürlich nicht so. Das wäre ja zu einfach! Jede Linse hat einen bestimmten schärfsten Bereich. Welcher das genau für deine jeweilige Linse ist, kannst du in den Tabellen bei den Kollegen von DXO Mark nachlesen.

Schärfster Bereich eines Objektivs
Schärfster Bereich Nikkor 12-24mm | DXO Mark

Schärfster Bereich des Objektivs

Für dich wichtig zu wissen ist, dass der beste Blenden-Bereich der meisten Objektive zwischen F/8 und F/11 liegt. Das ist der schärfste Bereich, bei dem die Tiefenschärfe sehr groß ist, aber der Effekt der Diffraktion noch nicht auftritt. Schließt du Blende weiter als z.B. F/13 lässt dieser Effekt die Pixel im Bild wieder unscharf werden und das ganze Foto wirkt eher verschwommen als scharf.

Bonus: um auch bei der Nachbearbeitung deiner Bilder für deine Webseite, soziale Medien und den Druck die maximale Schärfe aus deinen Fotos herauszuholen, schau mal in meinen Artikel zum Schärfen von Fotos nach.

Verschlusszeit der Kamera

Im Normalfall soll ein Landschaftsfoto in allen Bereichen knackig scharf sein. Das bedeutet, dass die Verschlusszeit so gering wie möglich gehalten werden sollte. Da wir aber meistens im A-Modus der Kamera unterwegs sind, ergibt sich die Belichtungszeit automatisch aus der gewählten Blende und der ISO und wir müssen uns darum (erst mal) keine Gedanken machen.

Eingreifen musst du bei der Kamera internen Berechnung der Belichtungszeit nur, falls diese in schwierigen Lichtsituationen daneben liegt und über- oder unterbelichten würde.

Um auszurechnen, ob du für die errechnete Verschlusszeit ein Stativ brauchst, kannst du die Formel 1 durch Brennweite benutzen. Beispiel: 1/35mm = 1/30 Sekunde (maximal) Das bedeutet 1/250 Sekunde könntest du bei 30mm Brennweite locker aus der Hüfte fotografieren, aber für 1/4 Sekunde brauchst du definitiv ein Stativ, um ein scharfes Bild zu erhalten.

Tipp: Bei modernen Kameras kannst du das im Live- bzw. Echtzeit-Histogramm im Display oder im Sucher – oder direkt nach der Aufnahme im tatsächlichen Histogramm des aufgenommenen Fotos – ablesen.

Willst du die Belichtungszeit korrigieren, kannst du einfach und bequem alle anderen Einstellungen lassen wie sie sind und mit der Belichtungskorrektur eingreifen. Die Belichtungskorrektur, auch EV (Exposure Value) genannt, ist bei den meisten Kameras ein kleiner Knopf mit einem schwarz-weißen Plus und Minus Symbol darauf. Das Plus bedeutet, die errechnete Belichtungszeit wird verlängert, Minus bedeutet analog dazu, dass sie verkürzt wird.

Kameraeinstellung für Sonnenuntergang
Carolafelsen zum Sonnenuntergang | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/4 Sekunde, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Besonders in technisch schwierigen Lichtsituationen mit hohem Dynamikumfang wirst du das richtige Stativ für deine Kamera brauchen, um die ISO nicht unnötig erhöhen zu müssen. Warum der ISO Wert möglichst gering gehalten werden sollte, erfährst du direkt im nächsten Abschnitt.

ISO der Kamera

Der ISO Wert der Kamera regelt die Lichtempfindlichkeit des Sensors. Der beste ISO Wert ist immer der native ISO Wert der jeweiligen Kamera. Bei meinen Kameras der D800er Serie ist das zum Beispiel ISO64. Bei den meisten anderen gängigen Kameras ist der Wert meistens ISO100 oder ISO200.

Wenn du den Standard Wert für die Empfindlichkeit deiner Kamera beim Fotografieren benutzt, haben deine Bilder ein sehr geringes Rauschen im Foto. Wenig Rauschen bedeutet gleichzeitig mehr Bildqualität. Beim Fotografieren mit dem nativen ISO Wert deiner Kamera, hat der Sensor auch den größtmöglichen Dynamikumfang. Dieser nimmt mit zunehmender ISO immer weiter ab, das Rauschen im Bild nimmt dagegen aber zu. Es gilt also, je höher der ISO Wert, umso geringer ist die Bildqualität.

Kameraeinstellung - ISO
Das Fischerdorf Hamnoya auf den Lofoten | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/125 Sekunde, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

ISO64 Bildrauschen 100 Prozent
Bildrauschen bei ISO64 auf 100 Prozent Zoom

Ich erhöhe die ISO also wirklich nur, wenn ich die Verschlusszeit möglichst gering halten will und es nicht anders geht. Das ist zum Beispiel bei der Nachtfotografie und dem Fotografieren von Nordlichtern der Fall. Ein Beispiel dazu gibt es weiter unten.

Aufnahmemodus der Kamera

Wenn du zum ersten Mal die für dich beste Kamera für Landschaftsfotografie und die dazugehörigen Objektive in den Händen hältst, wirst du dich zwangsläufig fragen, in welchem Modus du nun überhaupt fotografieren sollst.

Auch das ist recht einfach zu beantworten. In den meisten Standardsituationen benutze ich den A-Modus.

A-Modus

Der A-Modus der Kamera bedeutet nicht etwa Automatik Modus, sondern ist der Blendenprioritätsmodus (Aperture Mode). Das heißt, dass du die Blende wählst (zw. F/8 und F/11), die ISO auf 100 (od. 64 / 200) lässt und die Kamera berechnet die optimale Belichtungszeit für das Foto.

Das funktioniert in den meisten Lichtsituationen sehr gut. Sollte die Kamera mit ihrer Berechnung mal daneben liegen, weil der Dynamikumfang des Lichts der Szene einfach zu groß ist, dann kannst du mit der Belichtungskorrektur (Schwarz-Weißer +/- Button) eingreifen.

Die Belichtungsberechnung funktioniert übrigens auch hervorragend mit angeschraubten Polfilter. Diesen Landschaftsfotografie Allzweck Filter habe ich ebenso bei 90% der Aufnahmen am Objektiv montiert. Er kann Spiegelungen und Reflexionen reduzieren, den Kontrast und Dynamikumfang erhöhen und die Farben intensivieren. Alles ohne Nachbearbeitung, direkt bei der Aufnahme.

M-Modus

Der M-Modus (Manual Mode) der Kamera bedeutet, dass du alle Kameraeinstellungen manuell vornehmen kannst. Das heißt, du kannst neben der ISO und der Blende auch die Verschlusszeit selbst bestimmen, bei Bedarf. Im M-Modus fotografiere ich sehr selten. Meistens nur bei sehr kreativen Landschaftsaufnahmen, die ein manuelles Einstellen der Belichtungszeit erfordern. Das können z.B. Langzeitbelichtungen bis 30 Sekunden Belichtungszeit mit Graufiltern oder Aufnahmen mit sehr wenig vorhandenem Licht wie beispielsweise bei der Nachtfotografie sein.

Bulb Mode
Fotografieren im Harz
Fotografieren im Harz mit Stativ und Fernauslöser

Der Bulb Modus ist eine Sonderform des Manuellen Modus der Kamera. Mit ihm kannst du Langzeitbelichtungen über 30 Sekunden aufnehmen. Dafür brauchst du einen Fernauslöser oder nutzt dein zur Kamera verbundenes Smartphone. Je nachdem was für einen Auslöser du benutzt, kannst du die Dauer des Belichtens genau einstellen oder den Auslöser so lange arretieren, wie das Foto belichtet werden soll. Einige Fernauslöser lassen dich zusätzlich Zeitintervalle für die Aufnahmen einstellen. Damit kannst du z.B. Aufnahmen für Startrail Fotos oder Timelapse Filme anfertigen.

T-Modus

Der T-Modus (Time Mode) der Kamera lässt dich eine genaue Verschlusszeit einstellen. Die anderen Kameraeinstellungen wie z.B. die Blende werden dann von der Kamera vorgenommen. Für Landschaftsfotografen ist dieser Modus recht sinnfrei. In den letzten 15 Jahren kann ich mich an keine Situation und kein Foto erinnern, was ich in diesem Modus aufgenommen habe.

P-Modus

Der P-Modus (Programmed Automatic Mode) der Kamera ist für die Leute, die die Kameraeinstellungen und deren Auswirkung auf das Foto (noch) nicht verstanden haben, aber eine DSLR / DSLM Kamera in der Hand halten wollen. In diesem Modus kannst du die ISO einstellen, aber die anderen wichtigen Einstellungen wie die der Blende nimmt die Programmautomatik vor.

Oft sehe ich Leute mit einer gehobenen DSLR oder DSLM Ausrüstung irgendwo in der Natur oder an einem Aussichtspunkt im P-Modus fotografieren. Ich frage mich dann meistens, warum sie überhaupt eine Kamera mit den Einstellmöglichkeiten benutzen, wenn sie sowieso nur im Automatik Modus unterwegs sind. Das i-Tüpfelchen ist dann, wenn in einem sehr weitläufigen Gelände „aus Versehen“ der Blitz im Blindflug-Modus losgeht und wohl versucht wird z.B. das komplette Bodetal vom Hexentanzplatz aus auszuleuchten. Ein Traum!

Bester Modus für die Belichtungsmessung

Der beste Modus für die Belichtungsmessung der Kamera ist meiner Erfahrung nach die Matrix- (oder Multi-Punkt) Messung. Bei dieser Methode werden unterschiedliche Spots des gesamten Bildes in die Berechnung einbezogen und liefern meistens das beste Ergebnis. Eine 1-Spot oder mitten-betonte Messung berücksichtigt eben nur einen bestimmten Teil des Bildausschnitts, sodass andere Bereiche dann in der Folge zu hell oder zu dunkel werden können.

Fokus der Kamera

Beim Fokussieren verlasse ich mich in meisten Fällen auf den Autofokus der Kamera. Das hängt aber auch stark von deinem Motiv und deiner gewählten Bildkomposition ab. Wenn du z.B. eine komplizierte Near-To-Far Weitwinkel-Komposition mit einem sehr nahen Objekt im Vordergrund des Fotos hast und trotzdem alles bis in den Hintergrund scharf haben willst, wirst du um Fokus-Stacking nicht herumkommen. Du kannst auch manuell auf die Hyperfokaldistanz deines Objektivs bei der entsprechenden Brennweite scharf stellen und eine relativ geschlossene Blende für maximale Tiefenschärfe benutzen. Das sind aber eher die Ausnahmen.

Entweder benutze ich den normalen Autofokus oder stelle manuell über das Live-View-Display scharf.

Als Autofokus-Modus benutze ich bei der Landschaftsfotografie immer den Einzelbereichsfokusmodus (auch „Single Area AF“, „One Shot AF“ oder einfach „AF-S“ genannt). Die Motive rennen ja meistens nicht weg. Und falls doch, fotografierst du wahrscheinlich Tiere. Dann wäre der Serien-/AI-Servofokusmodus („AF-C“ oder „AI-S“) für bewegte Objekte eher der Fokusmodus deiner Wahl.

Weißabgleich und Farbraum der Kamera

Den Weißabgleich der Kamera lasse ich immer neutral und benutze ganz bewusst keinerlei Profile oder Programme oder ähnliches. Beim Fotografieren im RAW Format hat der eingestellte Weißabgleich zwar keinen Einfluss auf das RAW-Foto, wohl aber auf das generierte Vorschaubild. Und um das möglichst gut und neutral beurteilen zu können, lasse ich den Weißabgleich auf „auto“. Das Gleiche gilt auch für den verwendeten Farbraum. Ich benutze immer sRGB. Unter anderem deshalb, weil auch alle im Internet dargestellte Fotos sich in diesem Farbraum bewegen.

Kameraeinstellung - Farbraum
Leuchtspuren in der Stadt Leipzig zur blauen Stunde | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1.0 Sekunde, ISO200, EV+0.33 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Stativ

Beim Entwickeln eines RAW Fotos musst bzw. kannst du den Weißabgleich manuell setzen und in Ruhe und bei ungestörten Lichtverhältnissen schauen, was am besten zum jeweiligen Motiv passt und in welche Richtung die Stimmung deines Bildes gehen soll. Mit dieser Einstellung kannst du ein Foto z.B. tendenziell eher warm oder kalt wirken lassen.

Dateiformat RAW oder JPG

Für meine Landschafts- und Architekturfotos benutze ich immer das RAW Format. Solltest du „nur“ schöne Urlaubsmomente in Fotos festhalten halten wollen oder hunderte Bilder auf z.B. Sportevents aufnehmen, reicht eventuell auch das JPG Format. Welches Format dir wann Vorteile bringt, erfährst du in meinem Artikel RAW vs. JPG.

Kameraeinstellungen Übersicht

In den folgenden zwei Abschnitten findest du eine Zusammenfassung der Standard-Einstellungen und Modi, die ich beim Fotografieren in den meisten Fällen verwende.

Grundlegende Einstellungen der Kamera

Es gibt ein paar grundlegende Einstellungen, die ich als Erstes nach dem Auspacken bei jeder Kamera einstelle. Völlig unabhängig vom Hersteller der Kamera sind das:

  • Farbraum: sRGB (gängiger Farb-Standard auch zum Darstellen von Fotos im Internet)
  • Dateiformat: RAW (maximale Bildqualität, keine Kompression)
  • Weißabgleich: Automatisch (spielt sowieso nur bei JPG eine Rolle)
  • Bildstil: Standard (nur für die Beurteilung des Nachschau Bildes relevant und JPGs)
  • Rauschunterdrückung bei Langzeitbelichtung: aus
    (kann der RAW Konverter auch, Belichtung dauert sonst exakt doppelt solange)
  • Verzeichnungskorrektur: aus (geschieht im RAW Konverter)
  • Vignettierungskorrektur: aus (ebenfalls im RAW Konverter)
  • HDR / Mehrfachbelichtung: aus (mach ich bei Bedarf manuell)

Es gibt noch ein paar mehr Einstellungen an einer neuen Kamera, die ich immer vornehme, aber die sind nicht so sehr Aufnahme relevant und teilweise Hersteller spezifisch. Wenn ich darüber mal einen extra Artikel zusammen stellen soll, schreibe es mir gern in den Kommentaren.

Optimale Kameraeinstellungen auf einen Blick

Hier nun die kurze Liste meiner Standard Kameraeinstellungen:

  • A-Modus (Belichtungszeit wird automatisch errechnet)
  • eventuell Belichtungskorrektur (EV) zum Korrigieren benutzen
  • Blende zwischen F/8 und F/11
  • Native ISO der Kamera (ISO64 – ISO200)
  • Belichtungsmessung: Matrix- (oder Multipunkt) Messung
  • Autofokus (Matrix-Multi-Punkt Messung)

Bam! Das war es auch schon. Mit diesen Einstellungen nehme ich rund 90% meiner Landschaftsfotos auf. Das Wichtigste ist (durch Planung) zur richten Zeit am richtigen Ort zu sein und eine durchdachte Bildkomposition aufzubauen.

Beispiel aus der Praxis

Wie funktioniert das Ganze nun in der Praxis? Nehmen wir die Fluss-Wald-Szene der Böhmischen Schweiz unterhalb als Beispiel zur Demonstration der Kameraeinstellungen.

Die Kamera ist auf dem Stativ mit Polfilter und Fernauslöser aufgebaut. Die Bildkomposition ist gemacht und ich wähle meine Standard Aufnahme Einstellungen. Das sind der A-Modus, die Blende 8 und native ISO der Kamera, d.h. ISO64. Jetzt betätige ich den Auslöser und schaue mir das Histogramm und die Zeichnung des Flusses im Bild an.

Böhmische Schweiz
Langzeitbelichtung in einem urigen Tal in der Böhmischen Schweiz | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 0.8 Sekunden, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Was kannst du nun unternehmen, wenn du mit der Aufnahme noch nicht zufrieden bist?

Sollte dir das Bild z.B. generell zu dunkel sein oder dir die Zeichnung im Fluss noch nicht hinreichend dargestellt sein, musst du die Belichtung verlängern. Dafür kannst du die Belichtungskorrektur verwenden und den EV Wert sukzessive erhöhen. Sollte das Foto zu hell geworden sein oder die Bewegung der Strömung kaum noch zu erkennen sein, kannst du mit der Belichtungskorrektur einfach den EV Wert verringern. Fertig.

Du kannst die Verschlusszeit natürlich auch immer über die Blende oder die ISO regeln, aber das kann den Verlust von Tiefenschärfe und Bildqualität bedeuten! Den ISO Wert erhöhen und die Blende öffnen, würde ich nur, wenn es gar nicht anders geht.

Spezielle Kameraeinstellungen

Natürlich gibt es auch bei den Kameraeinstellungen Ausnahmen von der Regel. Besondere Aufnahmesituationen erfordern spezielle Kameraeinstellungen. Für alle folgenden Beispiele ist der Einsatz eines stabilen Stativs in Kombination mit einem Fernauslöser praktisch die Grundvoraussetzung, um am Ende ein scharfes Foto im Kasten zu haben.

Langzeitbelichtung

Eine Langzeitbelichtung bringt meistens mehr Ruhe in ein Motiv. Du kannst auf diese Weise die Bewegung von Wasser in Flüssen oder Wasserfällen visualisieren, Menschen auf belebten Plätzen verschwinden lassen oder das Meer, wie im Beispiel unterhalb, wie einen See aussehen lassen.

Im Beispielbild habe ich mithilfe eines Polarisationsfilters zum Sonnenuntergang eine manuelle Belichtung über 30 Sekunden aufgenommen. Durch den Filter und die lange Belichtungszeit wurde das Wasser glatt, die Spiegelung des Anlegers im Wasser sichtbar und die Farben intensiviert. Die ISO musste ich auf 200 anheben, da bei dem wenigen vorhandenem Licht die 30 Sekunden sonst nicht ausgereicht hätten.

Kameraeinstellung - Verschlusszeit Langzeitbelichtung
Anleger bei Zingst zum Sonnenuntergang als Langzeitbelichtung | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 30 Sekunden, ISO200 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Gegenlicht und Sonnenstern

Eine bekannte Fotoweisheit besagt zwar: „Sonne im Rücken? Auslöser drücken!“ Das funktioniert aber auch, wenn dir die Sonne mitten ins Gesicht scheint. Es ist nur etwas schwieriger. Beim Fotografieren in das direkte Gegenlicht musst du immer auf den Dynamikumfang achten. Oft ist er einfach zu groß, als dass du alle Bereiche im Bild mit einem Foto ordentlich belichtet hast. Dann sind Belichtungsreihen das Mittel der Wahl. Dabei fertigst du Aufnahmen mit unterschiedlichen Verschlusszeiten an, um alle Bereiche einer Szene korrekt im Kasten zu haben.

Das Foto unterhalb ist auf diese Weise aus mehreren unterschiedlichen Belichtungen manuell in Photoshop zusammengefügt worden. Die genaue Entstehung des Bildes habe ich hier beschrieben.

Kameraeinstellung - Sonnenstern und Gegenlicht
Sonnenuntergang an einem Bergsee in den italienischen Dolomiten | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/20 Sekunde, ISO100 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Der Knackpunkt beim Sonnenstern ist, dass du diesen bei geschlossener Blende (F/22) in einer extra Belichtung aufnehmen musst. Der Rest der Aufnahme ist aufgrund der Diffraktion zu verwaschen und nicht scharf genug. Den Sonnenstern blendest du dann in eine scharfe Aufnahme, die z.B. bei Blende 8 entstanden ist, über Ebenenmasken ein.

Milchstraße und Nordlichter

Beim Fotografieren des nächtlichen Sternenhimmels ist meistens mit wenig Licht zu rechnen. Das ist der Grund, warum ich bei der Sternen- oder Milchstraßenfotografie ausnahmsweise die ISO deutlich erhöhe. Auch die Blende öffne ich in so einem Sonderfall und verzichte auf maximale Tiefenschärfe. Anders lassen sich solche Bilder oft nicht realisieren.

Kameraeinstellung Nordlichter
Nordlichter im Süden von Island | Zum Bild

Einstellungen: F/2.8, 15 Sekunden, ISO800 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Stativ

Damit das tanzende Nordlicht (Aurora Borealis) im Foto auch noch als solches erkennbar ist und nicht nur einen grünen Brei im Bild darstellt, muss die Verschlusszeit in Grenzen gehalten werden. Das bedeutet, Blende auf und ISO hoch. Auch beim Fotografieren der Milchstraße oder von Sternen sollte die Verschlusszeit nicht länger als 30 Sekunden betragen, da die Rotation der Erde sonst im Bild erkennbar wird. Die Ausnahme sind Startrail Fotografien, wo es genau um diese Darstellung geht.

Infrarot Fotografie

Die Infrarot Fotografie eröffnet dir einen Blick in eine andere Dimension. Mit einem Infrarot Filter, wie dem bekannten Hoya R72 und ein bisschen Nachbearbeitung kannst du auf diese Weise weiße Blätter an Bäumen und tiefblaue Gewässer und Himmel erzeugen. Die meisten Kameras haben aber einen sogenannten IR-Sperrfilter verbaut. Dadurch ergeben sich beim Fotografieren mit dem Infrarotfilter recht lange Belichtungszeiten.

Kameraeinstellung Infrarot Fotografie
Infrarot Langzeitbelichtung an einem See mit Spiegelung

Einstellungen: F/5.6, 30 Sekunden, ISO200, EV+2 | Ausrüstung: Nikon D80 + 18-70mm Kit Objektiv + Stativ + IR Filter

Da die Kamera nicht korrekt durch den Filter „sehen und messen“ kann, empfiehlt sich bei dieser Art der Fotografie der M-Modus und manuelles Fokussieren. Den Fokusring des Objektivs kannst du bei solchen Aufnahmen einfach auf kurz vor unendlich drehen. Über die Blende und die ISO kannst du dich an eine korrekte Belichtung, je nach vorhandenem Licht, herantasten.

📷 Bonus: Viele Tipps und Tricks für spannende Bilder, neue Ideen und Inspiration findest du in meinem Artikel 10 Tipps für kreative Landschaftsfotos.

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Zusammenfassung & Fazit

Wie du siehst, ist es gar nicht so schwer und kompliziert die richtigen Kameraeinstellungen für dein jeweiliges Motiv zu finden. Lass dich nicht von den ganzen Werten, Zahlen und Einstellungsmöglichkeiten verunsichern. In 90 Prozent meiner Fotos benutze ich die gleichen Einstellungen. Und probieren geht auch hier über studieren. Wenn du viel draußen bist und herumprobierst, wirst du die unterschiedliche Wirkung der Einstellungen am schnellsten begreifen und sinnvoll für deine Fotos einsetzen können.

Foto Erhardt

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Ich bin Dave und seit über 15 Jahren leidenschaftlicher Landschafts- und Architekturfotograf. Meine Erfahrungen und mein über die Jahre zusammengetragenes Wissen in diesen Bereichen der Fotografie gebe ich gern hier auf diesen Seiten in den Rubriken Tutorials, Ausrüstung und Reisen an dich weiter. Um zukünftig keinen dieser Beiträge mehr zu verpassen, kannst Du einfach meinen kostenlosen Newsletter abonnieren oder den ebenso kostenlosen RSS Feed benutzen. Eine kleine Auswahl meiner Landschaftsfotos findest du hier in der Galerie und auf meiner persönlichen Foto Webseite.

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