Letztes Update: 20.08.2020
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In diesem Beitrag geht es um Bildkomposition bei der Landschaftsfotografie. Der Artikel erklĂ€rt dir die Regeln der Bildkomposition und gibt dir nĂŒtzliche Tipps mit vielen praktischen Beispielen an die Hand. Wie kannst du dein Foto optimal gestalten und die Elemente so arrangieren, damit das Bild auf den Betrachter möglichst stimmig wirkt? Hier bekommst du das Grundwissen ĂŒber den Bildaufbau, die Komposition und viele Tricks und Übungen damit du diese bei deiner eigenen Bildgestaltung in Zukunft ganz bewusst einsetzen und den Blick des Betrachters durch das Bild lenken kannst.

Sonnenaufgang Heringstein in der SĂ€chsischen Schweiz
Sonnenaufgang am Heringstein in der SĂ€chsischen Schweiz | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/25 Sekunden, ISO100 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Polfilter + Stativ

Einleitung & Motivation

„Wer als AnfĂ€nger die Gestaltungsregeln der Fotografie ignoriert, hat keinen Verstand. Wer sich aber fotolebenslang daran klammert, hat keine Phantasie.“

Detlev Motz

Warum ist Bildkomposition so wichtig

Bildkomposition und bewusste Gestaltung der Elemente innerhalb eines Fotos sind besonders fĂŒr Fotografie AnfĂ€nger sehr wichtig zu lernen. Durch Beachtung der allgemeinen Regeln der Bildgestaltung kannst du, ohne neue AusrĂŒstung und teure Reisen, das Niveau deiner Fotografie auf ein völlig neues Level heben. Durch gezielte Wahl des Bildausschnitts und einem durchdachten Arrangement der Elemente in deinem Bild, kannst du die AttraktivitĂ€t deiner Fotos fĂŒr die Betrachter erheblich steigern. Eine gute Bildkomposition macht ein Foto interessanter und erhöht die Verweildauer beim Ansehen. Neben dem Licht und dem Motiv einer Fotografie, ist die Bildkomposition eins der Kernelemente, die ein kunstvolles Foto von einem Schnappschuss unterscheiden.

Ordnung ins Chaos bringen

Oft sehe ich mir Fotos von Freunden, Bekannten oder Verwandten an, die sie im Urlaub oder wĂ€hrend einer Reise aufgenommen haben und denke mir: „sehr schönes Motiv, aber warum ragt der Ast da mitten ins Bild und warum ist der Horizont schief?“ – oder Ă€hnliches. Der Fotograf hĂ€tte z.B. nur ein paar Meter nach links oder rechts gehen mĂŒssen, um einen freien Blick auf das Hauptmotiv prĂ€sentieren zu können. Es sind meistens ganz einfache Dinge, auf die du achten kannst, die den Erfolg eines Fotos ausmachen.

Bei besagten UrlaubsschnappschĂŒssen sind es oft die Kleinigkeiten, die störend fĂŒr eine harmonische Bildkomposition sind. Autos oder Boote sind nur halb auf dem Bild oder es fehlen die FĂŒĂŸe einer Person oder das Hauptmotiv ist teilweise verdeckt oder in eine Ecke gequetscht. Ein weiterer Klassiker ist, dass viel zu viel auf dem Bild gezeigt wird und das Hauptmotiv dabei verloren geht.

Du musst fĂŒr den Betrachter deiner Bilder Ordnung ins Chaos bringen und dabei möglichst alle störenden Elemente herausfiltern. Versuche dich auf das Wesentliche zu konzentrieren und dabei möglichst alles Ablenkende wegzulassen. Bei einer idealen Bildkomposition gibt es einen Einstiegspunkt (höchster Kontrast im Bild) und praktisch unsichtbare Linien, an denen der Betrachter durch das Bild zum Hauptmotiv gefĂŒhrt wird, an dem er verweilen und das Foto in Ruhe genießen kann.

Regeln der Bildkomposition

In den folgenden Abschnitten erklÀre ich dir die grundlegenden Regeln der Bildkomposition in der Landschaftsfotografie.

Goldener Schnitt

Die theoretische Grundlage

Die Grundlage aller Regeln und Überlegungen bei der Bildkomposition ist der Goldene Schnitt. Er beruht auf mathematischen Grundlagen, die bereits in der griechischen Antike erkannt wurden. Vereinfacht ausgedrĂŒckt beschreibt der Goldene Schnitt (lat. sectio aurea oder proportio divina) ein bestimmtes TeilungsverhĂ€ltnis einer FlĂ€che oder Strecke von 61,8 zu 38,2 Prozent. Das entspricht also ganz grob und Pi mal Daumen mit beiden Augen zugedrĂŒckt ungefĂ€hr zwei Drittel zu einem Drittel. Wenn du mehr ĂŒber die historischen und mathematischen HintergrĂŒnde erfahren willst, empfehle ich dir den sehr ausfĂŒhrlichen Wikipedia Artikel dazu.

Abbildung der Goldene Spirale
Die goldene Spirale visualisiert durch Viertelkreise

Visuell dargestellt und auf eine FlĂ€che im BildverhĂ€ltnis 3:2 angewandt sieht der Goldene Schnitt dann aus, wie in der Abbildung oberhalb. Die Ausrichtung der Spirale kann dabei in alle Richtungen gespiegelt werden. Der Verlauf der Spirale ist in der Abbildung visualisiert durch die Viertelkreise unterschiedlicher Grauschattierungen. Der Blick wird von den dunklen Bereichen hin zum hellsten Bereich gefĂŒhrt. Das VerhĂ€ltnis der Radien der Kreissektoren entspricht der Fibonacci-Folge.

Praxis und konkrete Beispiele

So viel zu den theoretischen und mathematischen HintergrĂŒnden der Bildkomposition. Was sollst du nun damit anfangen und wie soll das deine Bilder verbessern? Lass mich dir das an konkreten Beispielen und der praxisnahen Anwendung dieses Wissens erklĂ€ren.

Bildkomposition mit dem goldenen Schnitt in der Landschaftsfotografie an einem Beispielbild
Bildkomposition mit dem goldenen Schnitt in der Landschaftsfotografie | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/4 Sekunde, ISO64 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Im Foto der SĂ€chsischen Schweiz oberhalb siehst du den Goldenen Schnitt in Aktion. Ich habe ein rotes Raster ĂŒber das Bild gelegt, um dir die Proportionen und die Aufteilung der einzelnen Bereiche besser zeigen zu können. Du kannst von der Ecke oben links eine imaginĂ€re Linie kreisförmig nach unten entlang der Felsen im Vordergrund ziehen, die sich dann im rechten oberen Teil des Bildes mit immer kleiner werdenden Viertelkreisen um die Sonne herum zusammen zieht und sich dort konzentriert.

Abgesehen vom Motiv und dem Licht wirkt ein Foto, bei dem die Aufteilung der Elemente im Bild, den Proportionen des goldenen Schnitts entspricht, fĂŒr Betrachter seit Jahrhunderten sehr ausgeglichen und harmonisch. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass diese Spirale ein in der Natur hĂ€ufig vorkommendes Muster ist. Unser menschliches Ohr, SchneckenhĂ€user, Muscheln oder bestimmte Pflanzenarten sind im Normalfall auch nach diesem Schema aufgebaut. Genau so, wie auch diese natĂŒrlich gewachsene Treppe im richtigen Winkel von unten fotografiert eine Spirale ergibt.

Goldener Schnitt im Treppenhaus
Goldener Schnitt im Treppenhaus

Die Drittel-Regel

Die Drittel-Regel, oder auch Zwei-Drittel-Regel genannt, ist der wohl bekannteste Ansatz bei der Bildgestaltung. Sie ist eine Art vereinfachte Ableitung der Proportionslehre des Goldenen Schnitts bei der Fotografie.

Um die Drittel Regel anzuwenden, teilst du das Bild gedanklich in neun gleiche Teile. DafĂŒr ziehst du zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien, jeweils nach ca. einem Drittel der GesamtlĂ€nge einer Bildkante. Um genau das grafisch fĂŒr dich zu veranschaulichen, habe ich ein solches Raster mit roten Linien beispielhaft ĂŒber das Bild unterhalb gelegt. Zu sehen ist der Sonnenuntergang am Bergsee Lago di Limides in den italienischen Dolomiten.

Bildkomposition mit der Drittel Regel in der Landschaftsfotografie
Bildkomposition mit der Drittel Regel in der Landschaftsfotografie | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/20 Sekunde, ISO100 |AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Das Gitter hilft dir zum Beispiel dabei, Himmel und Landschaft im VerhÀltnis 1/3 zu 2/3 zu teilen und gleichzeitig den Horizont korrekt auszurichten. Dein Hauptmotiv im Foto wird dabei idealer Weise auf einem der vier Schnittpunkte oder zumindest in dessen NÀhe gelegt. Das erzeugt Spannung und Dynamik im Bild.

Ob du nun dem Himmel mehr FlĂ€che im Foto einrĂ€umst oder der Landschaft, hĂ€ngt natĂŒrlich in erster Linie vom Motiv ab. Gibt es dramatische Wolkenformationen im Himmel, wirst du wahrscheinlich mehr davon im Bild zeigen wollen. Ist der Vordergrund der Landschaft spektakulĂ€r, wird eher das den grĂ¶ĂŸeren Raum in deiner Bildkomposition bekommen. Welchen Elementen du am Ende mehr Platz im Bild gibst, ist allein deine Entscheidung, Hauptsache ist, dass das VerhĂ€ltnis stimmt.

Tipp: Aktiviere bei all deinen Kameras (geht auch im Handy) das Gitternetz fĂŒr das Display und wenn möglich auch fĂŒr den Sucher. Das hilft ungemein bei der Bildkomposition.

Hauptmotiv nicht mittig platzieren

Einige Experten und Fotografie Guides raten ihren Workshop Teilnehmen gern dazu, die Mitte ihres Suchers bzw. LiveView Displays fĂŒr eine Weile einfach abzukleben. So kommt man gar nicht in die Versuchung das Hauptmotiv in die Mitte des Bildes zu setzen. Solche Fotos wirken nĂ€mlich oft wenig harmonisch, langweilig und statisch.

Ein Beispiel dafĂŒr, dass es trotzdem funktionieren kann siehst du unterhalb.

Bildgestaltung Tipp - Motiv nicht mittig
Spiegelung der Drei Zinnen im Antorno Bergsee | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/25 Sekunde, ISO64, EV-0,67|AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Du kannst diese Regel natĂŒrlich bewusst brechen, wenn du weißt warum und das Bild dann trotzdem fĂŒr dich funktioniert. Im Beispielbild sitzt das Motiv nicht mittig-mittig, sondern entlang einer der imaginĂ€ren Drittel-Linien. Diese Linie teilt nicht nur den Himmel vom Vordergrund, sondern teilt auch das Hauptmotiv und dessen Spiegelung voneinander. Durch den starken Vordergrund, der Spiegelung des Hauptmotivs, dem dramatischen Himmel und den zahlreichen auf den Berg zulaufenden Linien, funktioniert das Bild, trotz des Bruches dieser Regel, fĂŒr mich. Die Nutzung einiger anderer Bild stilistischer Mittel und die teilweise Nutzung der Drittel-Regel machen also diesen bewussten Fauxpas in der Summe wieder wett.

Denke immer daran, dass das Bild am Ende in erster Linie dir selbst gefallen muss, nicht etwaigen Kritikern, Editoren oder Social Media Followern. Wenn z.B. nur graue Suppe, ohne jegliche Zeichnung im Himmel zu sehen ist, du aber gerade eine spannende Landschaft vor dir hast, spricht auch nichts dagegen, der Landschaft 90% des Raums im Bild zuzusprechen und dem grauen Himmel nur 10%.

Farben und Kontraste

Der Farbkreis

Neben der Anordnung der Elemente in deinen Fotos spielt auch die PrĂ€sens von Farben und Kontrasten eine große Rolle bei der Gesamtwirkung der Bildkomposition auf den Betrachter. Der Mensch, mit seiner komplizierten Auge-Gehirn-Kombination, findet ein Zusammenspiel aus Farben, die sich im Farbkreis gegenĂŒber liegen, d.h. komplementĂ€r sind, als schön und angenehm anzusehen.

KomplementÀrfarben auf dem Farbkreis
KomplementÀrfarben auf dem Farbkreis

Auf wenige Farben beschrÀnken

Beim Betrachten der Abbildung des Farbkreises oberhalb, fĂ€llt also auf, dass z.B. Fotos mit dominanten Gelb und Blau Tönen als harmonisch wahrgenommen werden. Genau diese beiden Farben dominieren diese Szene im Herbst in den Alpen. Die LĂ€rchen und die Wiese sind im Oktober gelb gefĂ€rbt, der Nachmittagshimmel ist blau und lĂ€sst auch die Berge leicht blĂ€ulich erscheinen. Die weißen Wolken und dunklen, fast schwarzen Schatten, runden die Farbgebung im Foto ab.

Val Venegia Herbst
Nur drei Grundfarben dominieren diese Szene in Italien | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/100 Sekunde, ISO200 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Es sind hauptsĂ€chlich nur drei dominante Farben im Bild vorhanden. Achte darauf, dass deine Fotos nicht zu ĂŒberladen und nicht zu bunt wirken. In der digitalen Nachbearbeitung kannst du gezielt bestimmte Farben und Kontraste anheben, andere dafĂŒr entsĂ€ttigen und so deren Wirkung im Bild abmildern oder verstĂ€rken. In Photoshop funktioniert das hervorragend mit der Selektiven Farbkorrektur. Ich gehe bei jedem Bild einzeln alle Farben durch und korrigiere sie manuell nach meinem Belieben.

KomplementÀrfarben

Die Kombination aus Blau und Gelb findest du z.B. auch in der Stadt zur blauen Stunde nach dem Sonnenuntergang, wenn die gelben Lichter der Straßenlampen und Autos und der dunkelblaue Himmel die dominierenden Farben sind.

Andere interessante Kombinationen z.B. aus GrĂŒn und Rot findest du natĂŒrlich auch ĂŒberall in der Natur. Eine grĂŒne Blumenwiese mit rotem Mohn und blauem Himmel mit weißen Wolken ist beispielsweise auch ein Hingucker, der sehr harmonisch wirkt.

Tipp: Beim Betrachten eines Bildes blickt das menschliche Auge immer zuerst zu dem Bereich mit dem höchsten Kontrast. Das kannst du gezielt fĂŒr die BlickfĂŒhrung innerhalb des Bildes nutzen.

Brechen der Regeln

Wie schon am Beispiel des mittigen Hauptmotivs gezeigt, kannst du diese Grundregeln bei Bedarf auch umgehen, beugen oder ganz brechen. Kunst ist nicht dazu da, um sich an die Regeln zu halten und es anderen recht zu machen. Die Hauptsache ist, dass du mit dem Bild zufrieden bist und es im besten Fall auch fĂŒr andere interessant wirkt.

Probieren geht ĂŒber Studieren

Das Beispiel unterhalb zeigt ein Foto, bei dem ich mich zwar an die Drittel-Regel gehalten habe, aber keinen Himmel im oberen Teil des Bildes zeige, sondern lediglich die Spiegelung dessen im unteren Bereich. Ich habe vor Ort natĂŒrlich auch eine Variante mit einer klassischen Bildkomposition erstellt, aber in diesem Fall fand ich die Wirkung des Experiments am Ende interessanter.

Durch Drehung des Bildes um 180°, sodass der gespiegelte Himmel wieder oben im Bild wÀre, könnte man den Betrachter dann komplett verwirren.

Was mich an dieser Komposition stört, sind die BĂ€ume links im Foto, die bis in den Himmel hinein ragen. Sie haben zu viel Gewicht und ziehen den Blick in ihre Richtung. Dadurch wirkt das Bild viel zu linkslastig und unausgewogen. Sie mĂŒssten weg oder auf der anderen Seite des Bildes mĂŒssten als eine Art Rahmen Ă€hnlich große BĂ€ume stehen, damit das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Lege einfach mal zwei Finger ĂŒber die BĂ€ume links und betrachte das Foto dann. Eine ganz andere Wirkung!

Brechen der Regeln der Bildkomposition
Brechen der Regeln der Bildkomposition | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/25 Sekunde, ISO250, EV-2 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Hinweis: Mehr ĂŒber das Erstellen kreativer Landschaftsfotos erfĂ€hrst du in meinem Artikel 10 Tipps fĂŒr kreative Landschaftsfotos.

Wechsel der Perspektive

Ein Wechsel der Perspektive kann den Betrachter deiner Bilder ebenfalls zum Nachdenken anregen und das Bild sehr interessant machen. Bei dem direkten Blick senkrecht von oben nach unten, den sogenannten Top-Down Shots, muss der erdgebundene Betrachter oft erst einmal das Motiv identifizieren und einordnen. Alleine das macht ein derartiges Foto schon spannend.

Wechsel der Perspektive
Wechsel der Perspektive | Zum Bild

Technische Daten: F/5.6 | 1/20 Sekunde | ISO 100 AusrĂŒstung: DJI Phantom 4 Pro+ & Polfilter fĂŒr die Drohne

Die klassischen Regeln der Bildkomposition sind in solchen FĂ€llen eher schwierig anzuwenden. Du solltest trotzdem darauf achten, dass keine prĂ€gnanten Linien vom Hauptmotiv weg oder den Betrachter aus dem Bild fĂŒhren und dich natĂŒrlich auch hier auf das Wesentliche konzentrieren und alles Unnötige eher weglassen.

Tipp: Falls du in die Welt der Luftaufnahmen einsteigen willst, habe ich einen ausfĂŒhrlichen Ratgeber von der Auswahl bis zur Sicherheit mit vielen Tipp und Tricks zum Thema Drohnenfotografie geschrieben.

Tipps fĂŒr die Bildgestaltung

Das soll an grauer Theorie und sturen Regeln erstmal reichen. Kommen wir jetzt zu den praktischen Tipps und Tricks, die du auch direkt bei deiner nĂ€chsten Fototour oder sogar im Alltag als Übung fĂŒr den Ernstfall anwenden kannst.

„Auf jeden Fall aber kĂŒmmern sich die Menschen zuviel um die photographische Technik und zu wenig um das Sehen.“

Henri Cartier-Bresson

Erstmal ankommen

Ein ganz allgemeiner Tipp gleich vorneweg. Wenn du das nĂ€chste mal an einem Fotospot ankommst, fang nicht sofort an, einfach wild drauf los zu knipsen. Es sei denn natĂŒrlich, es handelt sich um eine wetter-bedingte Ausnahmesituation, die nur wenige Minuten anhalten wird. Ein Regenbogen oder ganz spezielle Wolkenformationen zum Beispiel. Im Normalfall solltest du erst einmal ankommen und den Ort in Ruhe auf dich wirken lassen und dich umsehen. Nur so kannst du dir die nötige Zeit nehmen, um die folgenden Tipps ĂŒberhaupt anzuwenden und die Szenerie aufmerksam nach bildgestalterischen Elementen abzusuchen, diese zu erkennen und in deinen Bildaufbau zu integrieren.

Tiefe im Bild – DreidimensionalitĂ€t

Als Fotografen haben wir ein ganz grundsĂ€tzliches Problem. Wir bewegen uns in einer dreidimensionalen Welt mit ebenso dreidimensionalen Motiven und wollen diese Welt in ein zweidimensionales Medium, eine Fotografie in unserem Fall, ĂŒbertragen und schließlich prĂ€sentieren. Wie kann uns das am besten gelingen?

Weitwinkel mit viel Blickwinkel

Um die Illusion von Tiefe zu erzeugen, hilft es ein Objektiv mit kurzer Brennweite mit viel Blickwinkel zu benutzen. Wenn du noch auf der Suche nach einem Objektiv fĂŒr Landschaftsfotografie bist, schau mal in meinen verlinkten Ratgeber dazu vorbei. Dort erklĂ€re ich auch ausfĂŒhrlich, warum ich fĂŒr die meisten meiner Bilder ein Weitwinkel Objektiv benutze.

Klassischer Aufbau eines Landschaftsfotos

Um das GefĂŒhl von DreidimensionalitĂ€t und Tiefe in einem Foto zu vermitteln, kannst du dich an den klassischen Aufbau eines Landschaftsfotos halten. Das bedeutet, dass dein Bild aus einem eindeutigen Vordergrund (z.B. markante Steine, Blumen, Stromschnellen), einem ĂŒberleitendem Mittelteil (z.B. Tal, Wiese, Feld, GewĂ€sser) und dem Hintergrund (z.B. Bergkette, BĂ€ume, dramatischer Himmel) bestehen sollte. Schon eine alte Fotografen Binsenweisheit besagt schließlich:

„Vordergrund macht Bild gesund.“

Allgemeine Fotoweisheit
Bildkomposition mit starkem Vordergrund fĂŒr mehr Tiefe im Bild
Klassischer Bildaufbau mit Tiefenwirkung | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/25 Sekunden, ISO100 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Polfilter + Stativ

Je kĂŒrzer die Brennweite umso mehr Tiefenwirkung

Umso kĂŒrzer die Brennweite ist, mit der du fotografierst, umso mehr wird der Vordergrund in dem Bild betont. Vielleicht merkst du beim Betrachten des Bildes oberhalb ja, wie dein Blick unten im Bild bei der Pflanze im Vordergrund einsteigt, dann ĂŒber die Felsen und das Tal hin zur Sonne schweift und danach nach rechts und zurĂŒck nach unten abdriftet. Alle wichtigen Elemente im Foto sind an den unsichtbaren Linien der Drittel-Regel und des Goldenen Schnittes angeordnet. Die spektakulĂ€re Landschaft und das Licht erledigen den Rest.

Hinweis: Mehr zur Planung und DurchfĂŒhrung dieses Berg-Biwak Sonnenaufgangs Shootings kannst du in diesem Reisebericht nachlesen.

Vordergrund selbst gemacht

Im Foto der Fjallsarlon Gletscher Bucht in Island war mir der Vordergrund wĂ€hrend des Sonnenuntergangs zu langweilig. Da zu diesem Zeitpunkt außer mir sonst niemand dort war und ich somit auch niemanden mit meinem Verhalten stören wĂŒrde, entschloss ich mich dazu, einen großen Stein zu nehmen und im hohen Bogen ins Wasser zu werfen. Mit einer Serienaufnahme fing ich das Eintauchen des Steins ins Wasser und die sich dadurch ergebenen Wellen ein. In Photoshop habe ich spĂ€ter die drei Bilder manuell ĂŒber Ebenenmasken zusammen gesetzt.

Vordergrund im Foto selbst gestaltet
Vordergrund im Foto selbst gestaltet | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/30 Sekunde, ISO64 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Wenn du also mal vor einer tollen Szenerie stehst, dir aber der nötige Vordergrund fĂŒr die Tiefe im Bild fehlt, dann kreiere ihn dir kurzerhand einfach selbst. Das können gepflĂŒckte Blumen, arrangierte Steinhaufen oder sogar ein Kuscheltier sein. Da kannst du mal deiner KreativitĂ€t komplett freien Lauf lassen und dich richtig austoben!

S-Kurve fĂŒr die BlickfĂŒhrung

Eines der ersten Dinge, die ich ĂŒber die Bildkomposition gelernt habe ist, wie die Linien in einem Foto den Blick des Betrachters lenken können. Durch gezielte Platzierung von Linien, seien es Äste, FlĂŒsse, Dachkanten, BrĂŒcken, Ufer, StrĂ€nde oder was auch immer, kannst du die BlickfĂŒhrung durch das Bild sehr stark beeinflussen.

Eine sogenannte S-Kurve, hier in Form eines Gletscherflusses, fĂŒhrt den Betrachter am Beispiel unterhalb vom Einstiegspunkt unten Mitte im Foto mithilfe des S-förmigen Verlaufs einmal komplett durch die Landschaft und das Bild bis zu den Schnee bedeckten Bergen im Hintergrund.

Beispiel S-Kurve mittels Fluss
S-Kurve in Form von Gletscherfluss fĂŒhrt durch das Bild in die Berge | Zum Bild

Technische Daten: F/5.6 | 1/400 Sekunde | ISO 100 | EV-0,66 AusrĂŒstung: DJI Phantom 4 Pro+ & Polfilter fĂŒr die Drohne

Tipp: Auch an dieser Stelle noch mal der dezente Hinweis auf meinen umfangreichen Guide zum Thema Drohnenfotografie.

Übung: Achte in deinem Alltag einfach mal bewusst auf natĂŒrlich vorkommende S-Kurven. Das kann die Schnur deiner Maus am PC sein oder auch die Straße oder der Weg zur Arbeit. Halte einfach die Augen offen. So kannst du S-Kurven auf zukĂŒnftigen Fototouren spĂ€ter leichter erkennen und bei deiner Bildgestaltung nutzen.

Beispiel S-Kurve mittels Weg
S-Kurve mittels Pfad durch wilden BĂ€rlauch | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/3 Sekunde, ISO64, EV+0,67|AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Die Szene oben habe ich z.B. beim Joggen im Park, fast direkt vor meiner WohnungstĂŒr entdeckt. Im Alltag mit wachen Augen durch die Welt zu stromern lohnt sich also. Ich bin dann spĂ€ter, als das Licht besser war, zurĂŒck gekehrt und habe den Weg als fĂŒhrende Linie bei der Gestaltung des Fotos benutzt. Er lenkt den Blick quer durch das Bild, direkt auf die untergehende Sonne hin.

Tipp: Mehr Informationen und Fotos zum Thema BĂ€rlauch findest du in meinem Artikel ĂŒber die BĂ€rlauch BlĂŒte im Wald.

C-Kurve fĂŒr die Bildgestaltung

Genau wie die S-Kurve kannst du auch natĂŒrlich vorkommende oder durch Menschenhand gemachte C-Kurven bei der Bildgestaltung einsetzen. Es ist das gleiche Prinzip. Es sollten deutlich sichtbare, sich vom Rest des Bildes, durch entweder starken Kontrast oder andere Farben abgrenzende Linien in Form des Buchstaben C sein.

Das Beispielbild des Glenfinnan Viadukts in Schottland, auf dem der berĂŒhmte Hogwarts Express entlang einer C-Kurve fĂ€hrt, verdeutlicht das Prinzip. An dieser Stelle gebe ich dir gleich noch einen Tipp mit an die Hand. Sich bewegende Objekte sollten immer in Fahrtrichtung fotografiert werden und es sollte mehr Platz auf der Seite sein, in die sich das Objekt bewegt. Ignorierst du diese Regeln, wirkt es oft so, als wĂŒrde das Objekt direkt aus dem Bild heraus fĂŒhren. Wenn du z.B. einen Rennwagen fotografierst, sollte die Schnauze des Autos nicht irgendwo am Bildrand kleben, sondern etwas Platz in Fahrrichtung innerhalb des Fotos bleiben.

C-Kurve ĂŒberstĂŒtzt die Bildkomposition und BlickfĂŒhrung
C-Kurve ĂŒberstĂŒtzt die Bildkomposition und BlickfĂŒhrung | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1/125 Sekunde, ISO200, EV+0,67 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 24-105mm IS + Polfilter + Stativ

Übung: Suche dir entweder im Alltag oder wĂ€hrend einer dedizierten Übungstour natĂŒrlich vorkommende C-Kurven und nutze sie bei der Gestaltung eines Fotos.

Das Foto des Seljaland Wasserfalls nutzt die Form der Höhle als C-Kurve und gleichzeitig als Rahmen, der den Blick des Betrachters im Bild hĂ€lt. Die Spirale des Goldenen Schnittes ließe sich auch auf dieses Bild legen, wobei die Sonne ungefĂ€hr im Zentrum der sich verdichtenden Viertelkreise lĂ€ge.

NatĂŒrlich vorkommende C-Kurve und Rahmen fĂŒr die BlickfĂŒhrung nutzen
NatĂŒrlich vorkommende C-Kurve und Rahmen fĂŒr die BlickfĂŒhrung nutzen | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1/30 Sekunde, ISO250, EV-0,33 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Nur ein Hauptmotiv

Einer der hĂ€ufigsten Fehler, die ich bei der Bildkomposition sehe, ist, dass viel zu viel auf einem Bild gezeigt wird. Konzentriere dich auf das Wesentliche und sei dir bewusst, welche Elemente du wirklich in deinem Bild haben willst. Ist zu viel Action und Buntes im Bild, kann das den Betrachter schnell ĂŒberfordern und das Hauptmotiv geht dabei leider oft verloren.

Besonders bei Urlaubsbildern von Freunden und Verwandten sehe ich neben dem tollen Strand, der eigentlich gezeigt werden soll, noch einen halben Strandkorb am linken Bildrand, ein flatterndes Handtuch rechts und einige Leute die scheinbar aus dem Bild herauslaufen wollen. Achte in Zukunft einfach darauf, Dinge, die du nicht unbedingt zeigen willst oder die sogar stören, bei der Bildkomposition außen vor zu lassen.

Bildgestaltung Tipp - nur ein Hauptmotiv
Bildgestaltung Tipp – nur ein Hauptmotiv | Zum Bild

Diese abstrakte Waldszene verzichtet sogar komplett auf ein eindeutiges Hauptmotiv. Vielmehr geht es darum, das Wirrwarr der unzĂ€hligen BĂ€ume und Äste des Waldes zu abstrahieren und zu vereinfachen. Das Foto ist in der Kamera wĂ€hrend der Aufnahme entstanden, nicht in der digitalen Nachbearbeitung.

Falls du so etwas selbst ausprobieren willst, fotografierst du am besten im komplett manuellen Modus und stellst die Blende, ISO und Belichtungszeit so ein, dass sich fĂŒr die Verschlusszeit ein Wert zwischen einer halben und zwei Sekunden ergibt. WĂ€hrend der Aufnahme bewegst du dann die Kamera leicht nach oben oder unten, et voilĂ .

Tipp: Das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO habe ich in einem extra Artikel erklÀrt.

Nutze natĂŒrliche Linien fĂŒr die BlickfĂŒhrung

In der Natur kommen unzĂ€hlige Linien vor, die du fĂŒr deine Bildgestaltung nutzen kannst. Nicht immer sind dir diese Linien bewusst oder auf den ersten Blick fĂŒr dich sichtbar, aber sie sind da. SpĂ€testens dein Unterbewusstsein registriert diese Linien, wenn du dir ein Foto ansiehst. Es gibt also nicht nur offensichtliche S- und C-Kurven, sondern noch viel mehr, teils verborgene, teils sehr offensichtliche Linien.

Das Beispiel dieses Gletscher Fotos zeigt, wie viele Linien, die nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen sind, alle auf das Hauptmotiv im Bild, den Schnee bedeckten Johannisberg oberhalb des Pasterzengletschers, zeigen. Einfach alles im Bild deutet auf diesen Berg hin.

BlickfĂŒhrung durch natĂŒrlich vorkommende Linien bei der Bildgestaltung
BlickfĂŒhrung durch natĂŒrlich vorkommende Linien bei der Bildgestaltung | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/25 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

Übung: Versuche beim Ansehen von Fotos oder auf einer der nĂ€chsten Touren mal auf solche Linien in der Natur zu achten und sie zu erkennen. Nutze sie dann im Idealfall so, damit sie den Blick auf das Motiv lenken und nicht davon weg fĂŒhren.

Die Strasse fĂŒhrt den Blick direkt auf den Vatnajoekull Gletscher
Die Straße fĂŒhrt den Blick direkt auf den Vatnajökull Gletscher | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/60 Sekunde, ISO64 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 24-120mm + Polfilter

Auch im zweiten Beispielbild fĂŒhrt die nicht so natĂŒrliche, aber dafĂŒr schnurgerade Linie der Ringstraße den Blick direkt auf das Motiv, den beeindruckenden Vatnajökull Gletscher in Island. Der leicht diagonale Verlauf der Straße durch das Foto, lĂ€sst das Bild zudem weniger statisch und dafĂŒr dynamischer wirken. Die Strasse funktioniert wie ein riesiger Zeigefinger, der auf den Gletscher hinweist. FlĂŒsse, Wege und Straßen fĂŒhren in unserer Welt immer irgendwo hin, in diesem Fall fĂŒhren sie den Blick des Betrachters zum Hauptmotiv des Bildes.

Muster und Wiederholungen

Unser Gehirn spricht positiv auf Muster und Wiederholungen in Bildern an. Solche sich wiederholenden Formen findest zu bei zahlreichen Beispielen in der Natur oder aber auch in Stadtlandschaften mit markanten GebÀudestrukturen oder Fenstern an Fassaden zum Beispiel.

Das Foto unterhalb zeigt BĂ€ume im Wald von oben fotografiert. Alle natĂŒrlich vorkommenden Linien fĂŒhren zum Zentrum des Bildes, zum toten Baum. Das Auge wird auch hier durch die Linien im Bild wie ein Magnet zum Zentrum gezogen. Die gleichbleibenden Muster ringsherum verstĂ€rken diesen Effekt zusĂ€tzlich.

Beispiel fĂŒr natĂŒrliche Muster bei der Bildkomposition
Muster im Wald | Zum Bild

Technische Daten: F/5.6 | 1/8 Sekunde | ISO 100 AusrĂŒstung: DJI Phantom 4 Pro+ & Polfilter fĂŒr die Drohne

Wenn unser Gehirn solche RegelmĂ€ĂŸigkeiten, in Form von wiederkehrenden Elementen erkennen kann, die scheinbar gleichmĂ€ĂŸig angeordnet sind, dann empfinden wir das oft als schön und harmonisch.

Beispiel fĂŒr menschen gemachte Muster in der Bildkomposition
Muster im Kornfeld | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/160 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: Nikon D80 + Nikkor 70-300mm

Selbst ein vom Boden aus langweilig wirkender abgemĂ€hter Acker kann, von oben betrachtet, ungeahnte gleichförmige Muster aufzeigen. Diese Muster und Wiederholungen gibt es natĂŒrlich nicht nur aus der Luft zu entdecken. Es gibt sie auch z.B. in wilden Blumenwiesen, WĂ€ldern und Feldern ĂŒberall in deiner NĂ€he. Der Teppich aus wildem BĂ€rlauch im Foto weiter oben ist auch so ein sich wiederholendes Muster in der Natur.

Übung: Halte Ausschau nach sich wiederholenden Strukturen und Mustern in deiner Umgebung.

Symmetrie und Spiegelungen

Ähnlich wie bei natĂŒrlichen Mustern und Wiederholungen, werden Symmetrie und Spiegelungen in Bildern auf einer sehr tiefen Stufe unserer Wahrnehmung erkannt und als schön und beruhigend empfunden.

Die wohl am hĂ€ufigsten eingesetzte Form von Symmetrie als Gestaltungselement in Fotos, ist die Spiegelung in GewĂ€ssern oder an spiegelnden Elementen wie Fenstern bei der Architekturfotografie. In natĂŒrlichen GewĂ€ssern ist die Voraussetzung dafĂŒr, dass es spiegelt, das nur wenig bis kein Wind vorhanden ist. Nur glatte OberflĂ€chen spiegeln gut. Sind Wellen auf dem Wasser, wird die Spiegelung stark verzerrt oder ist gar nicht mehr zu erkennen.

Eine symmetrische Spiegelung als Stilmittel der Bildgestaltung
Ein traumhafter Bergsee mit einer Spiegelung im fast windstillen Wasser | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/60 Sekunde, ISO64, EV-0,67 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Fotos auf denen sich die Landschaft spiegelt und praktisch zwei Mal zu sehen ist, strahlen hÀufig Ruhe und Ausgewogenheit aus. Du kannst diese Spiegelungen mit einem Polfilter verstÀrken und die Farben und Kontraste erhöhen oder aber das Wasser komplett durchsichtig werden lassen und den Boden des Sees oder Fische im Bild zeigen.

Tipp: Was du mit dem Polfilter und neutralen Graufiltern noch alles anstellen kannst, erklĂ€re ich dir ausfĂŒhrlich in meinem Artikel 10 Tipps fĂŒr kreative Landschaftsfotos.

Wie du in dem Beispiel oben siehst, habe ich die Drittel-Regel hier komplett ignoriert und den Horizont praktisch genau in die Mitte des Bildes gesetzt. Bekanntlich hat ja jede Regel ihre Ausnahme und bei solchen symmetrischen Motiven strahlt das Bild und die exakte Spiegelung mehr Ruhe und Harmonie aus, wenn die Spiegelung mittig ausgerichtet ist.

Vermeide leere FlĂ€chen – negativen Raum

Großen leere FlĂ€chen im Bild, auch negativer Raum genannt, solltest du versuchen zu vermeiden. Solche Bilder wirken langweilig und haben wenig Anziehungskraft. Ein blauer und wolkenloser Himmel wird nicht umsonst, als der Albtraum eines Landschaftsfotografen bezeichnet. Als Postkartenmotiv mag es möglicherweise Anklang finden, aber in der kĂŒnstlerischen Landschaftsfotografie ist eher Drama im Himmel gefragt.

Bildkomposition - leere FlÀchen
Vermeide große leere FlĂ€chen im Bild – wenn möglich | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/125 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

Dem leeren Bereich oben rechts im Foto stehts nicht entgegen. Es ist einfach toter Raum im Bild ohne jegliche Aussage. Es gibt allerdings auch AnwendungsfĂ€lle, wo genau das gefragt ist. Solltest du deine Fotos online verkaufen wollen und ĂŒber Agenturen fĂŒr Magazine, Zeitungen und Kalender lizenzieren lassen, dann können auch solche Fotos zum Verkaufsschlager werden. Sie bieten nĂ€mlich ausreichend Platz fĂŒr Werbeslogans, Überschriften und andere Formen von Text, ohne dabei davon abzulenken. Im Idealfall unterstĂŒtzt die Bildaussage den Text in seiner Wirkung.

Neue Perspektiven ausprobieren

Ob aus der Luft, am Boden liegend oder auf einer Leiter stehend, finde neue Perspektiven, um deinen Bildern etwas Neues und Ungewöhnliches zu verleihen.

Eine gute Perspektive zu finden, heißt nicht nur, einfach die Höhe und den Winkel der Kamera fĂŒr eine Aufnahme zu verĂ€ndern, sondern es bedeutet, trotzdem ein inhaltliches Gleichgewicht im Bild herzustellen. Wenn wir uns ein Bild zum ersten Mal ansehen, ist es Ă€hnlich, wie wenn wir jemanden zum ersten Mal treffen. Als Erstes wirkt der Gesamteindruck auf uns und dieser muss bei einer Fotografie ein Gleichgewicht vermitteln. Erst beim zweiten, dritten und vierten Blick schauen wir auf die Details und sehen genauer hin.

Top-Down Shot 90 Grad Blickwinkel nach unten
Tropisch anmutende KĂŒste an einem Bergsee in Bayern | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1/5 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: DJI Phantom 4 Pro+ + Polfilter fĂŒr die Drohne

Hinweis: Falls du neu in die Welt der Luftaufnahmen einsteigen möchtest, kann ich dir meinen ausfĂŒhrlichen Artikel ĂŒber die Drohnenfotografie empfehlen.

Perspektive aus der Luft
Die Sunnmore Alpen aus der Luft fotografiert | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1/100 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: DJI Phantom 4 Pro+ + Polfilter fĂŒr die Drohne

Besonders Perspektiven, die wir im Alltag nicht gewohnt sind, strahlen einen gewissen Reiz aus und wirken interessant. Die Vogelperspektive vermittelt zusĂ€tzlich den Eindruck von Weite und Freiheit und lĂ€sst einen oft sagenhafte Orte im Bild entdecken, die man vom Boden aus gar nicht erahnt hĂ€tte. Aber es muss natĂŒrlich nicht immer gleich die Fotografie aus der Luft sein, um neue Perspektiven und Blickwinkel zu entdecken und zu zeigen. Manchmal reicht es schon aus, dass Stativ nicht wie gewohnt auf Augenhöhe aufzubauen, sondern erst mit der Kamera locker in der Hand einen neuen und interessanten Winkel zu finden.

Übung: Suche dir eine Wiese oder einen Waldabschnitt und probiere mal die Ameisenperspektive im Liegen oder auch die Froschperspektive in der Hocke aus. Das allein kann schon einen großen Unterschied gegenĂŒber der gewohnten Augenhöhe in der Bildwirkung ausmachen.

Minimalismus – Weniger ist mehr

Besonders bei der Bildgestaltung ist weniger oft mehr. Der Minimalismus im Bild unterhalb treibt das Ganze natĂŒrlich auf die Spitze. Frei nach dem K.I.S.S. Prinzip (Keep It Simple Stupid), wird alles, was nicht zur Bildaussage beitrĂ€gt oder stört, weggelassen.

Dieses Bild von der Ostsee entstand am Abend an einem ersten Januar. Es war den ganzen Tag schon neblig gewesen an der KĂŒste und kaum Wind spĂŒrbar. Sehr seltene Bedingungen fĂŒr die Lage am Meer also. Alles war ruhig, kaum Menschen unterwegs und ich war stundenlang alleine am Strand unterwegs. Der Sonnenuntergang war farblos gewesen, aber wĂ€hrend der blauen Stunde ergaben sich diese surrealen Bedingungen. Durch den Nebel verschwammen Meer und Himmel und der Horizont existierte praktisch nicht mehr.

Beispielbild fĂŒr Minimalismus bei der Bildkomposition
Buhne an der Ostsee im Nebel zur Blauen Stunde | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 30 Sekunden, ISO64 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Ich entschied mich dafĂŒr, eine 30 Sekunden Langzeitbelichtung auszuprobieren, um die Wellen der Brandung auch noch verschwinden zu lassen und das Foto sehr minimalistisch wirken zu lassen. Die Buhne platzierte ich diagonal entland der Schnittpunkte der Linien der Drittel-Regel. Durch das Ende der Buhne im oberen zweiten Drittel des Bildes erahnt der Betrachter noch einen möglichen Horizont und den Himmel. FĂŒr mich strahlt dieses Bild enorm viel Ruhe und Entspannung aus. Ich sehe es mit meinem inneren Auge förmlich im Wellnessbereich eines Spa-Hotels hĂ€ngen und zum Relaxen der GĂ€ste beitragen.

Tipp: Bei Langzeitbelichtungen mit sehr dunklen Graufiltern machst du die Bildkomposition und setzt den Fokus am besten bevor du den Filter an die Linse schraubst oder schiebst. Solche Filter dunkeln nÀmlich teilweise so stark ab, dass du durch den Sucher bzw. das LiveView Bild nichts mehr siehst und der Autofokus nicht mehr funktioniert.

Nutze natĂŒrliche Rahmen

In der Natur ergeben sich durch spezielle Wetterbedingungen oder durch natĂŒrliche Gegebenheiten im Wald durch Äste von BĂ€umen oder in Höhlen, entlang von Felskanten oder in Stadtlandschaften an ZĂ€umen oder Torbögen und Fenstern, Möglichkeiten, Rahmen fĂŒr die Bildgestaltung zu nutzen. Mit Hilfe eines solchen Rahmens lĂ€sst sich das Auge des Betrachters gezielt lenken und der Blick bleibt im Bild und fĂŒhrt nicht hinaus.

NatĂŒrliche Rahmen bei der Komposition eines Fotos nutzen
NatĂŒrlicher Rahmen zum Berggipfel | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/3 Sekunde, ISO200 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

WĂ€hrend einer einwöchigen Fototour in den Alpen öffnete sich beim Fotografieren plötzlich dieses magische Fenster in den dicken tief hĂ€ngenden Wolken und gab die Sicht auf das Wiesbachhorn frei. GlĂŒcklicherweise konnte ich den kurzen Augenblick nutzen und das Foto oberhalb war im Kasten. Die Wolken umrahmen den Gipfel des Berges und lenken den Blick zwangslĂ€ufig direkt darauf.

Rahmen durch BĂ€ume und Äste deuten auf Spiegelung im See
Infrarot Foto mit natĂŒrlichem Rahmen aus Ästen und Spiegelung See

Einstellungen: F/5.6, 30 Sekunden, ISO200, EV+2 | AusrĂŒstung: Nikon D80 + 18-70mm Kit Objektiv + Stativ + IR Filter

Dieses Infrarot Foto nutzt die BĂ€ume und dicken Äste am Ufer eines Sees als natĂŒrlichen Rahmen und betont dadurch die Spiegelung in der Mitte des Bildes.

Kontext, Proportion und GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnisse

Jeder kennt diese Aussage von Bekannten und Verwandten: „Vor Ort sah das so ĂŒberwĂ€ltigend aus, aber auf dem Foto kommt das natĂŒrlich nicht so rĂŒber.“ Aber genau das ist die Aufgabe eines guten Fotografen. Das Foto muss all die EindrĂŒcke, wie Wind, Weite, Abgeschiedenheit oder Einsamkeit, die du vor Ort hattest irgendwie einfangen und kommunizieren.

Manche Motive funktionieren erst, wenn du sie im Kontext eines anderen Objektes prĂ€sentierst. Ob es sich dabei nun um einen Menschen, ein Tier, ein Zelt, einen Baum oder einen anderen seelenlosen Gegenstand handelt, ist im Grunde egal. Hauptsache der Betrachter kann dadurch die GrĂ¶ĂŸenrelation richtig einordnen. Menschen als Referenzobjekt haben dabei natĂŒrlich die grĂ¶ĂŸtmögliche emotionale Wirkung. Der Fotograf Max Rive ist, mit solchen Bildern von Menschen in der großen weiten und wilden Landschaft, weltweit berĂŒhmt geworden.

Erst durch die zusĂ€tzliche Dimension, des vor dem Wasserfall stehenden Menschen, funktioniert das Foto unterhalb und vermittelt durch die Person die schiere GrĂ¶ĂŸe des Wasserfalls in Relation zur GrĂ¶ĂŸe des Menschen.

Kontext und Proportion bei der Bildkomposition
Kontext und Proportion | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1/45 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 24-105mm IS + Polfilter

Ein Lösungsansatz, um die fehlenden EindrĂŒcke des tatsĂ€chlichen Erlebens zu ersetzen ist es also, etwas in das Foto zu integrieren, was der Betrachter wahrscheinlich schon kennt. Dadurch fĂ€llt es dem Auge und der Wahrnehmung des Betrachters leichter, die Szene richtig einzuordnen und gibt dem zweidimensionalen Medium etwas mehr PlastizitĂ€t.

Tipp: Wenn du allein unterwegs bist und sonst niemand da ist, kannst du dich mit Hilfe des Selbstauslösers oder Funkfernauslösers auch selbst in die Szene einbauen. Das ist nebenbei auch ein schönes Erinnerungsfoto.

Sonderfall: Fotografieren im Wald

Wirrwarr im Wald

Das Fotografieren im Wald stellt einen Sonderfall bei der Bildkomposition dar. Im Wald gibt es aus Sicht der Bildgestaltung besonders viel Chaos. Eine gewisse Ordnung und Ruhe in dieses Wirrwarr von BĂ€umen, Ästen, BĂŒschen, Zweigen, Blumen, StrĂ€uchern, Steinen und Wasser zu bringen ist besonders schwer.

Am besten funktioniert es, wenn du dir erst einmal einen sehr prÀgnanten Vordergrund suchst, sodass der Betrachter einen eindeutigen Einstiegspunkt hat und das Auge sich sozusagen schon mal an etwas festhalten kann, bevor es sich in den vielen Informationen im Bild verliert. Ich suche mir meistens einen markanten Stein oder wie in den Beispielbildern zu sehen, einen Flusslauf mit Stromschnellen oder einer kleinen Kaskade als visuellen Anker.

Beispielbilder – Vordergrund aber kein Himmel

Bildkomposition im Wald
Bildkomposition im Wald | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 2.5 Sekunden, ISO100 | AusrĂŒstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Dem Fluss verleihe ich dann durch eine Langzeitbelichtung des Wassers ein bisschen mehr Ruhe und nutze ihn fĂŒr die BlickfĂŒhrung durch die Szenerie. Der Rest des Bildes wird aber mit einer relativ kurzen Verschlusszeit belichtet, damit das Laub und die BlĂ€tter scharf bleiben. WĂ€hrend der Nachbearbeitung setze ich dann beide Fotos in Photoshop manuell mittels Ebenenmasken zusammen. Das geht schnell und ist auch nicht weiter kompliziert.

BodefÀlle
Die unteren BodefÀlle bei Braunlage im Harz im Sommer. Zum Bild

Einstellungen: F/11, 6 Sekunden, ISO100 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 17-40mm + Polfilter + Stativ

Ein weiterer wichtiger Tipp fĂŒr das Fotografieren im Wald ist es, keinen Himmel in die Bildkomposition zu integrieren. Waldbilder mit Himmel funktionieren in den seltensten FĂ€llen. Der Unterschied in der Helligkeit zwischen Himmel und dem vordergrĂŒndigen Wald ist einfach zu groß und wirkt selbst mit dem Einsatz von Belichtungsreihen (HDR) eher unnatĂŒrlich. Bleib also mit dem Blickwinkel wortwörtlich im Wald, nimm lieber mehr vom Vordergrund in das Bild und achte zusĂ€tzlich darauf, dass keine BĂ€ume an wichtigen Teilen oben abgeschnitten werden und die ansonsten harmonische Komposition abrupt aufhört.

Tipp: Mehr zum Thema Fotografieren im Harz und meine persönlichen 10 LieblingsplÀtze der Region findest du im verlinkten Artikel.

Betonen der Komposition in der Nachbearbeitung

In der digitalen Nachbearbeitung kannst du gezielt Farben und Kontraste einsetzen, um die von dir angestrebte Bildwirkung zu unterstĂŒtzen. Du kannst bestimmte (KomplementĂ€r-) Farben intensivieren und andere (störende) abschwĂ€chen und entsĂ€ttigen, um die BlickfĂŒhrung auf diese Weise entsprechend zu verstĂ€rken. In der NĂ€he des Hauptmotivs kannst du z.B. den Kontrast gezielt erhöhen, damit er als Einstiegspunkt in das Bild fungieren kann. Der Blick wandert ja immer zuerst zu dem Bereich im Bild mit dem höchsten Kontrast.

Das Foto unterhalb hat den stĂ€rksten Kontrast bei den Stromschnellen im Wasser unten links. Das ist auch der Einstiegspunkt fĂŒr den Betrachter. Der Blick wandert dann entlang der S-Kurve durch das Bild. Durch eine leichte Vignette soll der Blick dann innerhalb des Fotos bleiben.

Vignette, S-Kurve, Farben und Kontraste betonen das Hauptmotiv
S-Kurve, Farben, Kontraste und Vignette betonen das Hauptmotiv | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 0.3 Sekunden, ISO200 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

Ich nutze eine leichte bis mittel starke Vignette bei fast all meinen Fotos. Du wirst sie gar nicht bewusst wahrnehmen oder sehen, aber sie ist da. Sie bildet ebenfalls eine Art unsichtbaren Rahmen und soll den Blick im Bild festhalten und auf das Wesentliche lenken.

Querformat oder Hochformat

In den meisten FĂ€llen wird beim Fotografieren gar nicht aktiv ĂŒber das Format nachgedacht, sondern einfach das Querformat genommen. Es spricht ja auch Vieles dafĂŒr, da es unserem alltĂ€glichem Umfeld entspricht. Unser eigenes Blickfeld Ă€hnelt eher dem Querformat als dem Hochformat. Auch der Fernseher, Kamera- oder Computerbildschirm und der Sucher sind alle im Querformat ausgerichtet.

Beispielfoto Querformat
Sonnenaufgang am Cap de Formentor auf Mallorca | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/4 Sekunde, ISO100 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

Nichtsdestotrotz solltest du dem Hochformat eine Chance einrĂ€umen und es wenigstens hin- und wieder ausprobieren. Denn auch wenn es im Allgemeinen als Portrait Format bezeichnet wird, kannst du es bewusst fĂŒr deine Landschaftsfotos einsetzen. Es verspricht mehr Tiefenwirkung zu erzeugen, da in der Vertikalen mehr Platz fĂŒr den klassischen Bildaufbau von Vordergrund, Mitte und Hintergrund vorhanden ist. Obendrein wirken Bilder im Hochformat oft dynamischer und verkaufen sich besser als Poster und Magazin- und Zeitschriften Cover.

Beispielfoto Hochformat
Gleiche Szene im Hochformat | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 0.3 Sekunden, ISO100 | AusrĂŒstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

Wenn das Licht an solchen spektakulĂ€ren Landschaften wie dem Cap de Formentor auf Mallorca mitspielt, nehme ich meistens gleich mehrere Perspektiven und auch beide Formate auf. Zum einen kann ich so spĂ€ter in Ruhe entscheiden, welches fĂŒr mich die besser funktionierende Bildkomposition ist. Zum anderen lassen sich beiden Varianten spĂ€ter ĂŒber verschiedene VerkaufskanĂ€le monetarisieren.

Die optimale Bildkomposition finden

Praxis – worauf musst du achten

Wie du siehst, gibt es viele Regeln und AnsĂ€tze wie du an die Bildkomposition und die bewusste Gestaltung deiner Fotos herangehen kannst. Du musst dich dabei natĂŒrlich nicht zwangslĂ€ufig an alle Regeln halten. Betrachte sie eher als Empfehlung und als Startpunkt fĂŒr deine eigenen Überlegungen. Kombiniere z.B. die Drittel-Regel und die Integration eines markanten Vordergrunds fĂŒr die entsprechende Tiefenwirkung im Foto. Konzentriere dich auf das Wesentliche und lass alles Störende weg. Denke dran, die Regeln sind nicht in Stein gemeißelt, sondern eher ein Ratschlag.

Verinnerliche die Regeln einfach nach und nach und habe sie beim Fotografieren immer im Hinterkopf, aber arbeite sie nicht wie eine Checkliste ab. Am Ende musst du dich auch immer an die Gegebenheiten vor Ort anpassen und Kompromisse eingehen. Wenn eine Absperrung oder eine steile Felskante zum Beispiel nicht erlauben, dass du nÀher an dein Motiv heran kommst, dann ist das eben so.

Lass den Ort auf dich wirken

Wenn ich an einen fĂŒr mich noch unbekannten Ort das erste Mal ankomme, nehme ich mir bewusst viel Zeit, um den Ort auf mich wirken zu lassen und halte dabei Ausschau nach möglichen VordergrĂŒnden und Bildkompositionen. Der Hintergrund einer Location ist relativ gut planbar, sei es eine Bergkette, ein Waldrand oder ein KĂŒstenabschnitt. Das ist fix und auch nicht auf die Schnelle Ă€nderbar. Der Vordergrund, wie z.B. Blumen, Steine oder Stromschnellen sind aber variabel und enorm wichtig, um dem Foto genĂŒgend Tiefe zu verleihen. Lass dir bei der Suche also ausreichend Zeit dafĂŒr.

Suche deinen Bildausschnitt erst ohne Stativ

Auf der Suche nach dem optimalen Bildausschnitt bewegst du dich am besten erstmal ohne Stativ und schaust dich in Ruhe um. Nur so kannst du wirklich frei und schnell unterschiedlichste Perspektiven, Höhen, Winkel und Brennweiten ausprobieren. Baue erst dann dein Stativ mit der entsprechenden Höhe auf, wenn du die fĂŒr dich beste Komposition gefunden hast. Achte dabei auch auf eine ausgewogene Balance im Bild. Es sollten nicht alle visuell schweren Elemente auf einer Seite oder in einer Ecke des Bildes sein und den Blick auf sich ziehen, wĂ€hrend die andere Seite des Bildes leer ausgeht. Eine ausgewogene Verteilung wirkt harmonischer.

Suche den optimalen Bildausschnitt
Suche vor Ort immer den optimalen Bildausschnitt

Gewöhne dir am besten gar nicht erst an, direkt nach dem Ankommen an einem neuen Ort, direkt das Stativ voll auszuklappen und auf Augenhöhe aufzubauen. Damit beschneidest du dich schon von vorne herein bei der kreativen Gestaltung deines Fotos.

Lass etwas Platz an den RĂ€ndern und halte sie sauber

Denk immer daran, auch an den RÀndern des Bildes etwas Platz zu lassen und nichts auf Krampf in eine der Ecken zu quetschen. Gib den Elementen im Bild etwas Platz zum Atmen. WÀhrend dem Entwickeln der RAW Dateien und der digitalen Nachbearbeitung gehen durch Anwendung der Profilkorrekturen der Linse und dem Entzerren des Bildes möglicherweise einige Informationen am Rand des Fotos verloren. Auch bei bestimmten Varianten des Drucks, wie dem Aufspannen auf Leinwand um einen Keilrahmen, werden Teile des Rands beschnitten.

Achte zudem darauf, dass die RĂ€nder „sauber“ sind. Das fĂ€llt vielleicht nicht auf den ersten Blick auf, aber beim genaueren Hinsehen erkennt der geĂŒbte Betrachter, wie sorgfĂ€ltig auf die Bildkomposition geachtet wurde. Ich kontrolliere z.B. immer, dass keine störenden Äste ins Bild ragen, sich irgendetwas zur HĂ€lfte ins Bild schummelt oder eine Linie am Rand aus dem Bild hinaus fĂŒhrt.

Tipp: Warum das Fotografieren im RAW Format deine BildqualitÀt steigert, erfÀhrst du in meinem Artikel RAW vs. JPG.

Achte auf einen geraden Horizont

Eine der absoluten Grundlagen, um ein ansprechendes Foto zu gestalten ist ein gerader Horizont. Ist das Foto in Schieflage, fĂ€llt das dem Betrachter als Erstes auf. Nutze einfach das Kamera interne Tool zur Anzeige einer möglichen SchrĂ€glage, das im Sucher und LiveView Display eingeblendete Raster, eine Wasserwaage fĂŒr den Blitzschuh der Kamera oder eine am Stativ integrierte Wasserwaage. Es gibt so viele einfache und kostenlose Möglichkeiten dafĂŒr, dass ein schrĂ€ger Horizont im Bild einfach nur schlampig wirkt. Sollte das der Fall sein, wird dir niemand mehr abnehmen, dass du dir ernsthaft Gedanken um das Foto gemacht hast.

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Zusammenfassung & Fazit

Fotos beeindrucken aufgrund des Motivs, des Lichts, der Wahl des Bildausschnitts und einer sauberen technischen Umsetzung. Die Bildgestaltung, das Komponieren der Elemente zu einem harmonischen Ganzen, ist eine der Kernkomponenten eines qualitativ hochwertigen Fotos.

Knipse also nicht einfach wild drauf los, sondern mach dir im Vorfeld Gedanken, was du wie im Bild zeigen willst, bevor du auf den Auslöser drĂŒckst. Nimm dir die dafĂŒr nötige Zeit, auch wenn du dadurch die Geduld deiner Begleitung vielleicht auf die Probe stellst. Auf die Bildkomposition zu achten lohnt sich immer, egal, ob du Fotos im Urlaub, auf einer Reise, Party, im Restaurant, auf dem Kindergeburtstag oder eben auf einer dedizierten Fototour aufnehmen willst.

Mit einer durchdachten Bildkomposition wird sich die QualitĂ€t deiner Fotos enorm steigern und das unabhĂ€ngig von der von dir verwendeten AusrĂŒstung. Du kannst eindrucksvolle Fotos mit einer Smartphone-Kamera aufnehmen und umgekehrt genau so auch richtig schlechte Fotos mit der besten AusrĂŒstung produzieren. Auch hier gilt, der gute Fotograf macht die Fotos, nicht die gute Kamera.

Hast du noch Fragen zu einem der Punkte oder Anmerkungen? Dann schreib mir diese gern in den Kommentaren!

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Veröffentlicht von

Ich bin Dave und seit ĂŒber 15 Jahren leidenschaftlicher Landschafts- und Architekturfotograf. Meine Erfahrungen und mein ĂŒber die Jahre zusammengetragenes Wissen in diesen Bereichen der Fotografie gebe ich gern hier auf diesen Seiten in den Rubriken Tutorials, AusrĂŒstung und Reisen an dich weiter. Um zukĂŒnftig keinen dieser BeitrĂ€ge mehr zu verpassen, kannst Du einfach meinen kostenlosen Newsletter abonnieren oder den ebenso kostenlosen RSS Feed benutzen. Eine kleine Auswahl meiner Landschaftsfotos findest du hier in der Galerie und auf meiner persönlichen Foto Webseite.

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