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In diesem Artikel geht es darum, wie du mit deiner Fotografie Geld verdienen und wo du deine Fotos online verkaufen kannst. Welche Verkaufskanäle gibt es, was sind die Anforderungen an Bildqualität, Motive und Bildstil. Wie generierst du erfolgreich ein konstantes passives Einkommen mit deiner Fotografie. Dieser Beitrag beantwortet diese Fragen für dich.

Insel im Eibsee in Bayern, von oben fotografiert
Ludwigs Insel – Eibsee in Bayern | Zum Bild

Einleitung

Fotografie ist ein tendenziell eher teures Hobby. Bedenkt man die teuere Kameraausrüstung, Computer und Festplatten für die Nachbearbeitung und Backups und natürlich die ganzen kostenintensiven Foto Trips und Abenteuer, auf denen die Bilder überhaupt erst entstehen können. Daher ist es natürlich verständlich, dass viele Fotografen darüber nachdenken, etwas des investierten Geldes durch den Verkauf ihrer Arbeiten wieder zurück zu bekommen. Wie und wo das geht, erfährst du, wenn du jetzt weiter liest.

Voraussetzungen

Um überhaupt in der Lage zu sein, die eigenen Fotos erfolgreich online verkaufen zu können, gibt es natürlich auch einige Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen.

Viele denken, die Voraussetzung überhaupt, wäre es, möglichst viele spektakuläre Fotos aus jeder Ecke der Welt im Portfolio zu haben. Das kann helfen, muss aber nicht sein. Es mag zwar relativ offensichtlich sein, aber in erster Linie ist es viel wichtiger, dass du gerne fotografierst und dich mit den grundlegenden Aufnahmetechniken und deiner Ausrüstung sehr gut auskennst. Tolle Aufnahmen kann man nämlich überall machen.

Ich kenne viele Fotografen, die von der Lizenzierung und dem Verkauf ihrer Fotos leben, sich aber „nur“ auf Europa oder sogar ausschließlich auf Deutschland konzentrieren. Das macht aus zwei Gründen Sinn. Zum Einen, weil es natürlich in jedem Land Bildverlage und Agenturen gibt, die sich jeweils auf die Motive ihres Landes spezialisiert haben und deren Kunden auch dahingehend auf sie zukommen. In einer französischen Bildagentur wird man kaum Bilder aus der Sächsischen Schweiz oder dem Harz suchen oder finden. Muss man auch nicht, weil die meisten Agenturen Partnerschaften mit ausländischen Partneragenturen haben, untereinander vernetzt sind und Anfragen entsprechend weiterleiten. Zum Anderen macht es Sinn, weil du dich ja wahrscheinlich vornehmlich in deinem Heimatland aufhältst und demnach dort auch kostengünstig mehr Fototouren unternehmen kannst und somit auch mehr verkaufbare Fotos produzierst.

Ein Beispiel dafür: das folgende Bild habe ich nur 10 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt in Leipzig aufgenommen. Dieses Jahr ist es das Cover für den Kalender „Wege zum Träumen“ im Heye Verlag.

Wege zum Träumen
Wege zum Träumen – Cover | Zum Kalender

Wenn du dich also mit deiner Ausrüstung sehr gut auskennst und gerne Fototouren in deiner Heimat (oder wo auch immer es dir beliebt) unternimmst, hast du schon zwei von vier Voraussetzungen erfüllt. Als nächstes musst du dir ein Portfolio von rund 100 Bildern aufbauen. Die meisten Agenturen und Verlage wollen bei einer Bewerbung zwar meistens erstmal nur 25 Fotos sehen, aber damit es sich finanziell überhaupt auch lohnt, ist es besser schon mindestens 100 Portfoliobilder vorweisen zu können.

Zusatzinformation: Das soll nur eine kleine Info zum besseren Verständnis sein und dir keineswegs Angst machen oder dir den Mut rauben. Aber mal so als Größenordnung, ab wann man ungefähr allein davon leben kann. Professionelle Fotografen, die ausschließlich von der Lizenzierung ihrer Bilder leben können, haben oft weit über 10.000 Fotos bei den Verlagen hinterlegt. Da sind dann aber auch oft, gerade bei Stadtansichten, viele Hoch- und Querformate und weitere Varianten des gleichen Motivs dabei. Das relativiert diese Anzahl dann wieder ein wenig. Zum Beispiel kann man dann viele der Schlagworte kopieren, was eine Menge Arbeit erspart.

Das bringt mich dann zum letzten Punkt, was die Voraussetzungen angeht. Du musst dich mit der Verschlagwortung von Fotos auseinandersetzen. Das erkläre ich dann weiter unten noch genau und gebe dir auch gleich ein Beispiel an die Hand, wo du dich dran orientieren kannst.

Wenn du nun also mit viel Spaß an der Freude rund 100 schöne, repräsentative und verkaufbare Fotos im Kasten hast, kann es los gehen mit dem Verkauf.

Was verkauft sich gut

Ok, aber was genau ist denn nun ein gutes und verkaufbares Foto? Was macht es aus? Aus finanzieller Sicht, ist das bestimmt eine sehr spannende Frage, aber ich persönlich, finde viel wichtiger, dass ich mit meinen Fotos zufrieden bin. Egoistisch wie ich bin, mache ich die Fotografie ja in erster Linie für mich und nicht für andere oder um davon leben zu können. Und da ich nicht davon leben muss, bereise und fotografiere ich nur Orte, die mich persönlich interessieren und salopp ausgedrückt, wo ich einfach Bock drauf habe. Denn nur wenn man mit Herzblut und Leidenschaft dabei ist, kommen am Ende auch die besten Ergebnisse dabei heraus. Was sich davon dann am besten verkaufen lässt, erkläre ich nun.

Welche Motive verkaufen sich gut

Bei der Frage, welche Fotos und Motive sich gut verkaufen, muss man zunächst zwischen Resellern, die Bilder an Endkunden verkaufen und Bildverlagen unterscheiden.

Hintersee bei Ramsau
Der bekannte Hintersee bei Ramsau | Zum Bild

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei Agenturen eher Motive angefragt werden, die bekannt sind. Die Leute wollen sehen, was sie schon kennen. Zum Beispiel das Foto oberhalb vom bekannten Hintersee in Bayern. Es ist eine touristische Gegend mit sehr vielen Besuchern. Es werden Reiseführer erstellt, Plakate gedruckt, Wanderführer und Beiträge im Internet und in Zeitungen darüber geschrieben, und und und. Kurzum, es gibt zahlreiche Verwendungsmöglichkeiten.

Ich habe auch sehr schöne Fotos von Seen im Umland von Köthen, die Gegend wo ich studiert habe, im Portfolio. Das interessiert nur leider sehr wenige Leute. Analog dazu werden auch vom schönsten Sonnenuntergang eines unbekannten Strandes irgendwo in Indonesien, wo du drei Tage auf waghalsigen Wanderwegen und asketischem Camping unter Einsatz deines Lebens hingelangt bist, hier in Deutschland, wahrscheinlich tendenziell eher wenige Exemplare lizenziert. Ähnlich ist es auch bei Kalendern. Da werden oft bekannte Motive gewählt, weil sich die Leute eben eher Bilder von Orten kaufen, die sie selbst kennen, weil sie irgendeine Art Bezug dazu haben. Sei es ein vergangener Urlaub oder als Motivation, sich das irgendwann mal mit eigenen Augen ansehen zu wollen.

Dies gilt allgemein für den Bereich Landschaftsfotografie. Generell sind Stadtansichten sehr gefragt, sowie alle möglichen Alltagssituationen mit Leuten. Zum Beispiel eine Person, die am Schreibtisch sitzt und telefoniert oder feiernde, trinkende, glückliche und attraktive Personen im Biergarten, Blumenarrangements uvm. Darauf will ich hier aber nicht weiter eingehen. Wir bleiben mit dem Schwerpunkt bei der Landschaftsfotografie.

Bei Resellern und Postershops, die an Endkunden verkaufen, sieht das anders aus. Da kannst du dann mit dem besagten Sonnenuntergang aus Indonesien vielleicht doch noch punkten. Diese Webseiten und Shopsysteme haben, natürlich je nach Platform, ihre eigene Sortierung nach Beliebtheit. Was bei ihren Kunden ankommt und sich gut verkauft, wird durch einen Softwarealgorithmus ermittelt und dann weiter oben in den Suchergebnissen angezeigt. Da die Kaufentscheidung dann ganz individuelle Menschen mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Geschmack treffen, ganz im Kontrast zum Verlagseditor, kann sich hier praktisch alles mögliche gut verkaufen. Hier kommt es meiner Erfahrung nach mehr auf den Bildstil an.

Welcher Bildstil verkauft sich gut

Welcher Bildstil oder welche Bildsprache verkauft sich gut und was meine ich damit überhaupt? Über die Jahre entwickelt jeder Fotograf seinen eigenen Stil. Von der Wahl der Motive, der Bildkomposition, den Lichtstimmungen, über die Ausrüstung und Einstellungen die du bei der Aufnahme benutzt, bis hin zur Nachbearbeitung der Bilder prägt das alles deinen Bildstil, deine Bildsprache. Oft sehe ich irgendwo online neue Bilder und erkenne schon, welcher Fotograf das Bild gemacht hat, ohne den Namen zu lesen, nur anhand eines kleinen Vorschaubildes.

Tipp: In der Landschaftsfotografie entsteht ein sehr großer Teil des eigenen Stils, dem Look der Bilder, in der Nachbearbeitung. Das ist einer der Gründe, warum du deine Bilder im Raw Format aufnehmen solltest. Dann hast du mehr Freiraum während der digitalen Nachbearbeitung.

Bildstil mystisch - Mystische Bildstimmung in der Sächsischen Schweiz
Mystische Bildstimmung in der Sächsischen Schweiz | Zum Bild

Jeder Fotograf sowie Betrachter und Käufer hat da natürlich seinen ganz eigenen Geschmack. Dem einen gefallen sehr kontrastreiche, dunkle, teils mystische bis surreale Bildstimmungen mehr. Beispiele für einen solchen Stil sind z.B. Marc Adamus und Max Rive. Andere bevorzugen einen natürlicheren Look der Fotos. Repräsentanten dafür sind z.B. Tobias Richter und Rainer Mirau, die beide eine sehr klare Bildsprache haben, wie ich finde.

Bildstil hell - Wilder Bärlauch zum Sonnenuntergang
Helle Bildstimmung – Wilder Bärlauch zum Sonnenuntergang | Zum Bild

Welchen Stil auch immer du mehr magst, grundsätzlich werden klare, natürlich aussehende und tendenziell eher helle Fotos von Verlagseditoren wie auch Endkunden bevorzugt. Was deinem Bilderrepertoire also nicht schaden kann, ist ein wenig Diversifikation im Portfolio, ähnlich wie bei Geldanlagestrategien mit Aktien und Fonds. Probiere verschiedene Motive, Stile und Looks für dich aus und schaue was dir gefällt. Darauf kommt es hauptsächlich an! Eigentlich entwickelt sich die eigene Bildsprache über die Jahre von selbst. Also mach dir deswegen nicht unnötig Stress am Anfang.

Bildkomposition

Auch bei der Bildkomposition gibt es, abgesehen von den Standard „Regeln“ beim Bildaufbau, ein paar Dinge zu beachten.

Beispiel Bildkomposition - Steg zum Sonnenuntergang an der Ostsee
Beispiel für eine eher dunklere Bildstimmung an der Ostsee bei Zingst | Zum Bild

Wenn du Bilder für die Lizenzierung an Agenturen und Verlage einreichst, werden diese nicht nur für Bildkalender verwendet, sondern beispielsweise auch für Artikel in Zeitschriften, Wanderführer, Plakate, Webseiten oder Werbung. Bei solchen und ähnlichen Verwendungen ist es oft hilfreich, dass sogenannter „toter Raum“ (od. Negative Space) im Bild vorhanden ist.

Das sind Bereiche im Foto mit wenig Zeichnung, d.h. keine Objekte, Leute oder sonstige Action und Ablenkung. Ein Beispiel dafür ist der wolkenlose Himmel im Foto oben. Über dem Steg und der Ostsee ist genug Platz um dort zum Beispiel eine Artikel Überschrift, einen Werbe-Slogan oder ein Logo zu platzieren. Das kannst du einfach im Hinterkopf behalten und dann bei den kommenden Fototouren ein paar zusätzliche Varianten deiner bevorzugten Bildkomposition aufnehmen. Auch immer einfach mal die Kamera drehen, sodass du Quer- und Hochformate des Fotos hast.

Aktualität der Bilder

Agenturen und Bildverlage

Die Aktualität der Bilder spielt auch eine Rolle beim Verkauf. Verlage und Bildagenturen wollen oft gar keine Bilder, die älter als drei Jahre sind, obwohl das Alter – gerade im Bereich Landschaftsfotografie – eine eher untergeordnete Rolle spielt.

„Bitte senden Sie uns, sofern vorab nicht anders vereinbart, nur Bildmaterial, das nicht älter als drei Jahre ist.“

Auszug aus einem Verlagsnewsletter an die Fotografen

Klar, in Island kann schon mal ein Vulkan ausbrechen und dann sieht das dort ein wenig anders aus, aber generell ändern sich klassische Landschaftensansichten nicht jährlich. Nichtsdestotrotz ist es wie es ist und ältere Bilder werden bei Suchanfragen auf den Vertriebskanälen der Agenturen nach unten sortiert. Das heißt, selbst wenn du die tollsten, schönsten und besten Fotos einer bestimmten Region im Portfolio hast, werden diese mit der Zeit in den Suchergebnissen der Verlage automatisch nach hinten sortiert, sobald aktuellere Fotos vorliegen. Die Agenturen wollen über ihre Plattformen ihren Kunden eben immer das Neuste Bildmaterial anbieten.

Anmerkung: Es gibt aber auch zusätzlich zu den regulären automatisierten Suchergebnissen, von den Editoren manuell erstellte Bildvorschläge für Kundenanfragen, bei denen auch ältere Bilder dabei sein können, wenn sie sich in der Vergangenheit schon gut verkauft haben.

Schloss Neuschwanstein
Das Märchenschloss Neuschwanstein in Bayern | Zum Bild

Als Beispiel dazu ein Foto vom Märchenschloss Neuschwanstein in Bayern zum Sonnenuntergang. Die Architektur des Gebäudes und auch die Geografie des Umlandes verändert sich nur sehr selten, wenn überhaupt. Einzig die Jahreszeiten und Lichtbedingungen ändern sich kontinuierlich. Wie auch natürlich die Technik mit der solche Aufnahmen gemacht werden. Das sind alles Gründe warum das Bild am Ende doch „altert“ und in den Suchergebnissen der Verlage an Aktualität verliert. Traurig aber wahr.

Reseller und Shopsysteme

Anders ist es bei den Resellern und Shopsystemen sowie Onlineshops. Dort werden die Bilder mit der Zeit in den Suchergebnissen tendenziell eher „hochgespült“. Je nach dem was für Kriterien der verwendete Sortier-Algorithmus der jeweiligen Seite hat. Meistens eben die Beliebtheit (getriggert durch Klicks und Verkäufe) bei den Kunden. Das heißt, da können sich unter Umständen regelrechte Dauerbrenner etablieren, so genannte Cashcows (auch Geldkuh oder Goldesel genannt), die sich recht regelmäßig verkaufen. Ich habe schon von Fotografen gehört, die mit den Verkäufen eines einzigen Bildes ihr ganzen Haus finanziert haben. Auch hier gilt einfach, „Versuch macht kluch“ und „probieren geht über studieren“. Also ruhig probieren unterschiedlichste Bilder zum Verkauf anzubieten. Abgelehnt werden können sie immer noch.

Bei den seriösen und professionellen Seiten, findet bei jedem Bilderupload sowieso eine Vorauswahl statt, bei der die verantwortlichen Art Direktoren, Publishing Manager oder Editoren, wie auch immer sie sich nennen, die in ihren Augen schlecht verkäuflichen Bilder aussortieren. Mit der Zeit bekommt man aber selbst ein gutes Gefühl dafür, welche Bilder sich wo am besten verkaufen.

Qualitätsanforderungen

Um deine Bilder online verkaufen zu können, gibt es von den Agenturen, Verlagen und Resellern bestimmte Qualitätsanforderungen, die deine Bilder erfüllen müssen. Der auf Reisefotografie (Landschaft, Städte, Natur, Kultur) spezialisierte Verlag Huber Images hat auf seiner Fotografen Seite dazu ein PDF Dokument namens „Informationen zur Bildeinreichung“ veröffentlicht.

Wenn du auf den Link klickst, öffnet sich ein neues Fenster mit der kompletten Datei. Link zur PDF. Das drei-seitige Dokument und die darin beschriebenen Anforderungen an die eingereichten Motive, sowie die technische Qualität der Fotos, gibt dir einen guten ersten Anhaltspunkt und eine Übersicht, was branchenüblich verlangt wird. Das ist bei den meisten Agenturen und Verlagen ähnlich.

Tipp: Zusätzlich akzeptieren viele Verlage mittlerweile auch mit dem Mobiltelefon aufgenommene Bilder (und Videos), die aber mit speziellen Keywords markiert werden müssen.

In den folgenden Abschnitten gehe ich noch einmal kurz auf die jeweiligen Anforderungen an die Motive und die technische Qualität der Bilder und die akkurate Verschlagwortung ein.

Motive

Wie weiter oben schon beschrieben eignen sich für den Verkauf und die Lizenzierung deiner Fotos am ehesten die Highlights einer Region mit einer klaren Bildsprache. Behalte aber auch immer im Hinterkopf, dass es die unterschiedlichsten Verwendungszwecke gibt, unter anderem Kalender, Postkarten, Puzzle, Reiseführer, Reiseberichte, Werbeanzeigen, Zeitschriftenartikel, sonstige Reportagen sowie Buch- und CD-Cover. Wenn du da Lust drauf hast, kannst du also z.B. auch mal zusätzlich zu deinen Landschaftsfotos noch weitere Aspekte fotografieren. In erster Linie sind das für mich Stadtansichten zur blauen Stunde und hier und da auch mal weitere Facetten wie Lifestyle, Leute, das lokale Essen und natürlich die Sehenswürdigkeiten einer Region.

Arktische Bucht auf den Lofoten
Arktische Bucht auf den Lofoten – viel Platz für Text oben links | Zum Bild

Bildqualität

Die in dem oben verlinkten Dokument beschriebenen technischen Anforderungen an die eingereichten Bilder sind ebenfalls üblich in der Branche. Abgesehen von der neuen Möglichkeit auch Drohnen- und Smartphone Bilder zu verkaufen.

Das heißt konkret, bei normalen Einsendungen (kein Handy oder Drohne) wird darauf geachtet, dass die Megapixelanzahl des Kamerasensors mindestens um die 20 Megapixel beträgt. Oft wird Wert darauf gelegt, dass das Foto mit einer Vollformat Kamera im 16 Bit Modus und im Raw Format im Adobe RGB Farbraum aufgenommen wurde. Daher ergibt sich dann auch die Mindestgrößenanforderung der einzelnen Dateien. Wenn die Fotos groß gedruckt werden sollen o.ä. ist es zudem sehr wichtig eine nicht zu hohe ISO beim Fotografieren benutzt zu haben, um das Rauschverhalten im Bild auf einem erträglichen Maß zu halten. Auch bei den Objektiven wird erwartet, dass man professionelles Equipment benutzt, wenn man seine Bilder verkaufen möchte. Zudem wird erwartet, dass man chromatische Farbfehler herausgerechnet, wenn vorhanden. Selbstverständlich dagegen finde ich Anforderung, dass Sensorflecken entfernt sein sollten. Den Anspruch sollte eigentlich jeder ambitionierte Fotograf, gerade wenn er seine Fotos verkaufen möchte, an sich selbst haben.

Dazu folgendes Zitat aus dem Informationsdokument des Verlages:

Ausgabedateien: Die Bilder müssen der Agentur in folgenden Eigenschaften vorliegen: Die größere Seitenlänge der Aufnahmen bei 300 dpi sollte mindestens 45 cm betragen. Bei Panoramaaufnahmen sollte die Seitenlänge mindestens 60 cm bei 300 dpi (ca. 70 MB unkomprimiert) betragen.

Auszug aus einem Informationsdokument für Fotografen

Um auf Nummer sicherzugehen was die Ausrüstung angeht, kannst du in meinen Ratgeber für die beste Kamera für Landschaftsfotografie reinschauen oder dich mal bei meinen Empfehlungen umsehen. Das ist das Equipment, was ich selbst seit Jahren nutze und sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe.

Hamnoya Lofoten
Das Fischerdorf Hamnoya auf den Lofoten | Zum Bild

Im Bereich Qualität abschließend noch ein Wort zum Thema Schärfe und Nachschärfen der Fotos. Für die Lizenzierung wie auch für den Verkauf über Shops sollten deine Fotos generell nur moderat nachgeschärft werden. Der Hintergrund ist, dass man Fotos am besten schärfen kann, wenn man die letztendliche Ausgabegröße weiß. Das kannst du auch in meinem verlinkten Artikel über das Schärfen nachlesen. Bei all den möglichen und unterschiedlichsten Verwendungsmöglichkeiten kann das natürlich niemand vorhersagen, deshalb nur ganz leicht geschärft einreichen.

Rechtliches

Beim Verkauf deiner Bilder musst du – natürlich – auch einige rechtliche Aspekte berücksichtigen. Als Fotograf es z.B. auch deine Aufgabe das Kunsturheberrechtsgesetz (KunstUrhG) zu beachten.

Das meiste liegt aber auf der Hand und sollte einem schon der gesunde Menschenverstand sagen. Zum Beispiel, dass du dich auch an den Orten aufhalten durftest, an denen du fotografiert hast. Das heißt du bist nirgends eingebrochen, um deine Aufnahmen im Kasten zu haben, oder hast dich illegal dort aufgehalten.

Wenn du auch Drohnenpilot bist und gerne Fotos aus der Luft anfertigst und die neuen Perspektiven liebst, dann halte dich bitte auch die geltenden Gesetze und habe eine Versicherung dafür und fliege vor allem nur wo es erlaubt ist und du keine Menschen oder Tiere gefährdest!

Kylingaskard Vatn - Isländisches Hochland
Kýlingaskarð im Isländischen Hochland | Zum Bild

Bei der normalen, am Boden statt findenden Fotografie, sind die beiden wichtigsten juristische Aspekte sind die sogenannten Releases. Übersetzt am ehesten Freigabe- bzw. Veröffentlichungsformular. Bei Gebäuden, Häusern, Farmen und Firmen usw. gibt es dafür extra das Property-Release. Sind eine oder mehrere Personen im Foto zu sehen, ist es besser, ein Model-Release der entsprechenden Leute zu haben. Das erhöht die Verkaufs- bzw. Lizenzierungschancen erheblich. Sonst wird der Verwendungszweck der Lizenz für die meisten Kunden bei solchen Fotos zu sehr eingeschränkt. Zu beachten ist, dass du das bei allen Personen brauchst. Auch wenn du deine Frau, Freundin, Oma oder sonst wen aus dem familiären Umfeld abgelichtet hast, ist es besser ein Model-Release für das Foto zu haben.

Diese Releases sind relativ einfach gehaltene Formulare auf denen beide Parteien, d.h. z.B. das Model und der Fotograf unterschreiben. Diese Vordrucke ändern sich immer mal wieder, aber die bekommst du mit großer Sicherheit kostenlos von deinen Verlag bereitgestellt.

Ein weiterer rechtlicher Aspekt, den du unbedingt beachten musst, ist die Bezahlung und die Steuern! Das hängt aber wiederum stark von deiner Gesellschaftsform als Fotograf ab und ist definitiv ein Artikel für sich. Solltest du gerade anfangen Geld mit deinen Fotos zu verdienen, dann gilt für dich wahrscheinlich die sogenannte Kleinunternehmerregelung. Ich rate dir, dich dahingehend weiter zu belesen, oder von einem Steuerberater beraten zu lassen.

Verschlagwortung (sog. Keywording)

Da unsere gängige Software heutzutage Bilder und Fotos leider immer noch relativ schlecht auslesen und automatisch verschlagworten kann, musst du als Fotograf deine Bilder beim Einreichen mit Keywords versehen, die das Bild beschreiben, damit sie von Kunden überhaupt gefunden werden können.

Kalender Wildnis in Deutschland
Die letzten Wildnisse Deutschlands 2019 (KUNTH Wandkalender Black Edition) | Zum Kalender

Dies ist ein sehr zeitraubender, mühsamer, monotoner, arbeitsintensiver und sich wiederholender Prozess. Zwar gibt es schon Software, die z.B. beim Bild oben erkennt, dass es eine Outdoor-Szene ist, darin Wälder, Berge und die Sonne zu sehen sind, aber eben (noch) nicht, dass es die Sächsische Schweiz in Deutschland ist, die Schrammsteine im Hintergrund zu sehen sind und es im Sommer vom Carolafelsen aus fotografiert worden ist. Das alles sind aber Informationen, die den potenziellen Kunden interessieren und wichtig sind, damit das Bild in den riesigen Verlagsdatenbanken und Shopsystemen der Reseller gefunden werden kann.

Generell werden meistens mindestens ca. 25 Schlagworte pro Bild verlangt und eine kurze Beschreibung, eine Art Titel. Bei den Shops ist es meist weniger. Die einzelnen Verlage haben dazu meistens eine extra Anleitung für ihre Fotografen. Lies diese sorgsam durch, das ist wirklich wichtig! Sonst werden deine Bilder am Ende nicht gefunden und der ganze Aufwand von der Planung bis zur Nachbearbeitung war „umsonst“. Am besten lässt sich das an einem Beispiel zeigen, denke ich.

Beispiel Verschlagwortung des Kalender Cover Fotos oben:
Beschreibung: Sonne, Sonnenuntergang, Carolafelsen, Sächsische Schweiz, Deutschland, Europa
Stichwörter: Sonnenuntergang, Carolafelsen, Aussicht, Sächsische Schweiz, Elbsandsteingebirge, Deutschland, Europa, Sachsen, Steine, Felsen, Tal, Sandstein, Gebirge, Schlucht, Canyon, Klippen, Felsnadel, Berge, Mittelgebirge, Wald, Gipfel, Nationalpark, Urlaub, Reise, Outdoor, Abenteuer, Auszeit, Ruhe, Sehnsucht, Wildnis, Natur, Landschaft, Idylle, allein, einsam, menschenleer, Fotografie, Sonne, Gegenlicht, Sommer, Querformat, Ausflugsziel, Sehenswürdigkeit, Touristenattraktion

Tipp: Wenn du, wie ich, deine Bilder bei mehreren Verlagen einreichst, empfiehlt es sich, die Beschreibung und Stichworte, zusammen mit den IPTC Informationen, zum Beispiel mit Photoshop (Tastenkombination STRG+ALT+SHIFT+I), direkt in die Bilder zu schreiben. Dann musst das nicht mit irgendwelchen Excellisten oder über einzelne Formulare bei jeder Agentur extra machen. Das spart viel Zeit!

Die korrekte und gewissenhafte Verschlagwortung ist ein sehr wichtiger Aspekt beim Verkauf deiner Fotos. Auch wenn es monoton ist, muss man gewissenhaft bleiben. Wenn du deine Bilder, z.B. einen Berggipfel o.ä. mit falschen Schlagworten versiehst und das so falsch in einem Wanderführer landet, werden sich sehr viele Leute darüber ärgern.

Verkaufskanäle

Es gibt grundsätzlich unterschiedliche Ansätze und Möglichkeiten die eigenen Bilder online zu verkaufen. Der quasi Standard ist die Lizenzierung über die Bildverlage. Da es aber heutzutage viel mehr Fotografen, bzw. Leute mit Kameras gibt, und diese auch mehr verreisen, als noch vor einigen Jahren, gibt es ein viel größeres Bilderangebot als noch vor der Digitalisierung der Fotografie. Das führt dazu, dass immer weniger Fotografen ausschließlich von der Lizenzierung leben können.

Allerdings gibt es auch eine gestiegene Nachfrage an neuem Bildmaterial. Zum Einen wird die Technik und auch die Bildqualität immer besser und zum Anderen besteht auch ein Mehrbedarf durch neue Nutzungsformen, wie zum Beispiel durch Online-Shops, Reisebüros, private und Firmen Blogs, Social Media Kanäle, Magazine, Handy Hintergrundbilder und noch vieles mehr.

Reine Lofoten, Norwegen
Das malerische Fischerdorf Reine auf den Lofoten in Norwegen | Zum Bild

Es empfiehlt sich also neben der Lizenzierung über Verlage, die eigenen Bilder auch anderweitig, auf neueren Vertriebskanälen zu verkaufen. Diese stelle ich dir jetzt kurz vor.

Verkauf über Reseller

Neben der Lizenzierung, ist der Verkauf über Reseller, der für mich momentan zweitwichtigste Kanal für den Verkauf meiner Fotos. Der Erlös von Lizenzierung und Verkauf an Endkunden verhält sich ungefähr 2/3 zu 1/3. Anzumerken ist, dass ich bei den Resellern weitaus weniger Fotos im Angebot habe, als bei den Verlagen. Das ist aber normal, da sich Endkunden für weniger Motive, Varianten usw. interessieren als es Verwendungsmöglichkeiten bei der Lizenzierung gibt.

Tipp: Ein großes Pro für den Verkauf deiner Fotos dort ist, dass du auswählen kannst, über welche großen Vertriebsplattformen deine Bilder zusätzlich verkauft werden sollen. Nur durch das Setzen eines Hakens beim Hochladen deiner Bilder, bist du mit deinen Werken plötzlich auch auf Amazon, Ebay oder Otto präsent.

Hier nun ein paar nationale und internationale Beispiele für Foto Reseller Systeme bzw. Onlineshops.

Beispiele:

  • Posterlounge.de – mittlerweile in vielen Ländern Europas vertreten, Export an z.B. Amazon, Ebay, Otto
  • Photocircle.de – mit dem Verkauf deiner Bilder unterstützt du soziale Projekte auf der ganzen Welt
  • Artland Bildershop – auch Bilderexport zu anderen Plattformen möglich
  • RedBubble.com – hier geht es nicht nur um Fotos, sondern generell um Kunstobjekte
  • Society6.de – in diesem Shop geht es neben der Wandkunst auch um Deko und andere Artikel
  • Honessed.com – ebenfalls ein noch recht neuer Bilder & Deko Onlineshop

Lizenzierung über Bildverlage

Es gibt ein undurchschaubare Vielzahl an großen und kleinen Bildverlagen in Deutschland. Viele von ihnen sind auf bestimmte Themen spezialisiert, andere eher Allrounder. Für wen sollst du dich jetzt entscheiden, bzw. wo bewerben, damit deine Bilder bestmöglich verkauft werden. Ich habe es damals am Anfang so gemacht, dass ich geguckt habe, bei welchen Agenturen meine Vorbilder in Sachen Fotografie unter Vertrag sind. Wenn diese finanziell erfolgreich sind und seit Jahren bei dem jeweiligen Verlag sind, kann das wohl nicht grundsätzlich falsch sein, dachte ich. So bin ich damals auf meinen ersten Verlag gestoßen und habe mich dann dort beworben. Das habe ich bis heute nicht bereut. Es ist also ein Weg den du gehen kannst.

Hier nun meine drei Beispiele für Deutschland in Kombination mit Landschaftsfotografie.

Beispiele:

  • Mauritius Images – sehr schönes Fotografen Portal und ansprechende Webseite, sehr professionell
  • Look Photos – schon eher spezialisiert auf Reise, Landschaft, Kultur, Städte
  • Huber Images – spezialisiert auf Reisefotografie mit den Schwerpunkten Deutschland und Europa

Verkauf über Galerien

Den Verkauf über Galerien möchte nur kurz erwähnen. Die Möglichkeit gibt es theoretisch, aber da der Artikel sich auf den Online Verkauf konzentriert und ich kaum Erfahrung damit habe, halte ich mich hier sehr kurz. Zudem ist es relativ schwierig die Bilder zusätzlich zum Verkauf im Internet in einer angesehenen Galerie zu positionieren. Es gibt natürlich auch lokale, kleinere Galerien usw., wo du dich bewerben kannst, aber dort erreichst du aber auch viel weniger Leute, als im globalen Internet.

Es gibt aber auch weltweit agierende Galerien, wie zum Beispiel YellowKorner. Hier in Leipzig ist eine in der Mädler-Passage. Da laufe ich manchmal in der Mittagspause lang und schaue mir ein paar schöne Werke an.

Beispiel:

Verkauf über eigene Webseite

Nicht zuletzt kannst du auch deine Bilder über deine eigene Webseite verkaufen. Hast du genug Reichweite mit der Seite, kann es sich durchaus lohnen. Gerade in Deutschland musst du aber auf viel Juristisches achten, wenn du selbst einen Onlineshop betreiben willst. Stichworte dabei sind z.B. gültige AGBs, Steuern, Ausweisung von Preisen und zusätzlichen Kosten, Rückversand und Fristen uvm. Zudem musst du dich selbst für das Marketing die Suchmaschinen Optimierung (SEO), die Produktion der Bilder, die Zahlungsabwicklung und den Versand und ggfs. die Rückabwicklung kümmern. Kurzum – ein Arsch voll Arbeit, der sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und in der du dich nicht mehr mit der Fotografie selbst beschäftigen kannst.

Jetzt könntest du fragen, warum ich dass dann mache. Bei mir ist das historisch so gewachsen. Ich habe vor ca. 20 Jahren, angefangen meine ersten eigenen Webseiten zu programmieren, woraus dann mein heutiger Beruf entstanden ist. Mit meinem Wissen heute würde ich mir zum Präsentieren meiner Fotos ein Webseiten-Galerie-System nehmen und auf einen eigenen Onlineshop verzichten. Der Aufwand lohnt sich meistens einfach nicht.

Tipp: Eine weitere Möglichkeit wäre noch, wenn du einen gut laufenden Fotografie Blog hast, deine Bilder dort in entsprechenden Artikeln zu bewerben und ggfs. direkt auf die Artikelseiten eines deiner Reseller zu verlinken.

Micro Stock Agenturen

Es gibt mittlerweile so einige Microstock Agenturen auf dem Markt. Ich rate von einer Zusammenarbeit mit diesen eindeutig ab! Es kann einfach nicht fair sein, wenn man für einen Bildverkauf oder eine Lizenzierung als Autor nur noch wenige Cent pro Bild bekommt. Es steckt so viel Arbeit in den Bildern, von der Planung und dem technischen Handwerk, der Durchführung und ggf. einer weiten Reise, dem Kauf des teuren Equipments usw., sodass ich einen Preis von nur wenigen Cent einfach ungerecht finde. Meine Arbeit und die Fotos sind mir da eindeutig zu schade für so ein Ramschverkauf. Vielen anderen Fotografen oder Hobby-Knipsern anscheinend aber nicht. Das ist einer Gründe, warum der Bild-Lizenzierungs Markt kriselt und die Preise seit Jahren fallen.

Hauptberuflich oder Nebenberuflich

Grundsätzlich sind beide Varianten möglich. Das schöne ist, du musst nicht gleich deinen jetzigen Job kündigen und all-in gehen. Du kannst den Online Verkauf deiner Fotos und die Lizenzierung sukzessive nebenberuflich in Ruhe und ohne Druck aufbauen und wenn du dauerhaft genug Geld damit verdienst, kannst du das natürlich auch hauptberuflich machen.

Sonnenaufgang am Cap de Formentor - Mallorca
Sonnenaufgang am Cap de Formentor auf Mallorca | Zum Bild

Erfahrungsgemäß musst du dann aber, wie weiter oben schon geschrieben, weit mehr als 10.000 sehr gute und verkaufbare Bilder bei den Verlagen und Resellern haben. Alleine die Fotos zu produzieren mit Verschlagwortung und Einreichung dauert Jahre. Das ist also nichts was du mal „schnell nebenbei“ machen kannst und schnell an Geld zu kommen. Das wird dauern und da steckt sehr viel Arbeit drin. Vielleicht hast du aber auch noch eine ganz andere Idee mit der du mit deinen Bildern erfolgreich bist, dann schreib mir in direkt oder in den Kommentaren.

Die meisten Landschafts- und Naturfotografen, die ich kenne und die hauptberuflich von Fotografie leben und damit ihr Geld verdienen haben sich einen bunten Mix aus mehreren Einnahmequellen aufgebaut. Das sind dann z.B. Lizenzierung und direkter Verkauf die Bilder, Anbieten von Fototouren und Workshops, Sprechen auf Veranstaltungen (z.B. über Reisen & Fotografieren), Anfertigen von Auftragsarbeiten, Coaching via Skype und der Verkauf von Videokursen zur Nachbearbeitung von Fotos. Es gibt noch mehr Möglichkeiten, aber das sind so die gängigsten.

Muss ich ein Gewerbe anmelden

Wenn du deine Fotos erst einmal ausschließlich nebenbei verkaufst und gucken willst, ob und wie das überhaupt funktioniert, brauchst du vorläufig kein Gewerbe. Wenn sich dann durch etwaige Verkäufe und Lizenzierungen mit der Zeit ein gewisses regelmäßiges monatliches Einkommen bildet, kannst du das bei der Einkommenssteuererklärung im Bereich selbstständiges Einkommen angeben. Solltest du ohne Verlag und Agentur, praktisch privat und ohne Gewerbe Fotos verkaufen, darfst du auf den Rechnungen keine Mehrwertsteuer ausweisen. Mehr musst du für den Anfang nicht beachten.

Mach dir also zu Beginn erstmal keine Sorgen wegen der Gewerbeanmeldung. Die kannst du gegebenenfalls auch bis zu ein Jahr rückwirkend beantragen und kostet nicht viel. Du brauchst sie aber für den Anfang nicht. Es gibt in Deutschland auch einen recht hohen jährlichen Freibetrag dafür. Da dieser schwankt, will ich den konkreten Wert hier nicht anführen. Er liegt aber weit jenseits der 10.000 EUR pro Jahr. Auch eine Anmeldung bei der Handwerkskammer ist nicht nötig.

Künstlervertrag

Verkaufst du deine Bilder online über Shopsysteme oder lässt sie über Verlage und Agenturen lizenzieren, muss das natürlich vertraglich geregelt sein. Das ist ähnlich wie einem normalen Arbeitsvertrag. Da du momentan wahrscheinlich einer geregelten Arbeit nachgehst, ist es empfehlenswert den aktuellen Arbeitgeber im Vorfeld darüber zu informieren, dass du dich im Nebengewerbe engagieren willst. Da kann nämlich unter Umständen ein Interessenkonflikt bestehen oder dein Arbeitgeber lehnt das grundsätzlich ab. Als Softwareentwickler hatte ich damit bisher noch nie Probleme.

Wie bekomme ich ihn

Um einen Künstlervertrag zu bekommen, musst du dich zunächst bei dem Partner deiner Wahl bewerben. Ein entsprechender Link findet sich meistens irgendwo unten auf der Webseite. Das passiert in den meisten Fällen recht formlos per Email mit Anhang oder über ein eigenes Formular. Es geht primär um eine kurze Vorstellung deiner Person und um die 20 Bilder deiner Wahl. Diese Auswahl zu treffen ist nicht leicht, aber muss sein. Die Verlagseditoren oder wer auch immer sich deine Bewerbung anguckt und darüber entscheidet, sieht erstmal nur diese rund 10 bis 20 Fotos, also wähle sie sehr sorgsam aus. Wenn deine Fotografien überzeugen können, einigt man sich über die Vertragsbedingungen und die Zusammenarbeit kann beginnen.

Was gibt es zu beachten

In den Künstlerverträgen gibt es viele Punkte und Paragraphen, wie in allen anderen Verträgen auch. Vieles ist Allgemeines, manches ist branchenspezifisch. Sehr wichtig sind z.B. die Nutzungsrechte deines Vertriebspartners an deinen Fotos. Achte darauf, dass du als Bildautor nur das Nutzungsrecht am Urheberrecht überträgst, aber nicht das Eigentum. Das könnte dann ungefähr so aussehen:

„Der Bildautor überträgt im Rahmen des vorliegenden Vertrages ausschließlich das nicht exklusive
Nutzungsrecht am Urheberrecht, nicht das Eigentum an den überlassenen Fotografien an die
Agentur.“

Beispiel Paragraph aus Künstlervertrag

Die meisten Partner wollen natürlich, dass du exklusiv bei ihnen unter Vertrag bist. Somit können sie deine Bilder bei Kunden dann mit der Exklusivität bewerben. Das ist eher bei der Lizenzierung durch Verlage verbreitet. Das hat auch wieder Vor- und Nachteile. Entscheidest du dich dafür, exklusiv bei einem Verlag zu sein, ist dein Anteil an allen Erlösen höher, dafür schränkst du dich aber auch auf deren Vermarktung und Partneragenturen ein, wodurch dir mögliche weitere Kunden durch die Lappen gehen. Auf jeden Fall hast du mit der Exklusivität weniger Arbeit, weil du dann ja nur eine Agentur mit Fotos beliefern musst.

Sonnenaufgang Heringstein
Sonnenaufgang am Heringstein in der Sächsischen Schweiz | Zum Bild

Ich habe exklusiv bei einem Verlag angefangen, aber nach ein paar Jahren auf nicht-exklusiv gewechselt und bin sehr froh darüber. Die Verteilung der Fotos über mehrere Verlage hat sich für mich gelohnt. Man bekommt bei bei nicht-exklusiven Verträgen natürlich weniger Prozentanteile am Verkauf / der Lizenzierung von der einst einzigen Agentur, aber die Streuung lohnt sich meiner Erfahrung nach.

Weitere übliche Vertragspunkte sind der Vermarktungsumfang (z.B. Deutschland oder weltweit), Vertragspartner, die Honorare, Konkurrenzausschluß, Abrechnungen, die Releases (wie schon oben bei Verschlagwortung beschrieben), Bild-Veränderungen und das Vertragsende (d.h. Kündigungsfristen usw.).

Es gibt meiner Erfahrung nach vor allem drei Punkte, auf die du vor dem Unterschreiben achten musst. Das die Bildrechte bei dir bleiben setze ich hier mal voraus, alles andere ist unseriös.

Drei Punkte auf die du achten musst

  1. Exklusiv oder Nicht-Exklusiv – das musst du am Ende für dich entscheiden
  2. Wie hoch ist dein Anteil am Verkauf – du kannst den Vorschlag des Partners akzeptieren, oder verhandeln (üblich sind zw. 25% – 45%)
  3. Kündigungsfrist – darüber kann man auch meistens reden, bei Bedarf (normalerweise unbefristet)

Vermarktung der Bilder

Hast du einen oder mehrere Künstlerverträge mit Partnern geschlossen, übernehmen diese den Großteil der Vermarktung deiner Fotos. Diese haben meist eigene Newsletter, Blogs, RSS Feeds, Social Media Kanäle, oder direkte Ansprechpartner in der Branche und Vermarkten deine Fotos auf diese Weise. Als neuer Fotograf wirst du auch meistens im Rahmen einer Pressemitteilung o.ä. vorgestellt. Wie zum Beispiel hier im Bild unten zu sehen, als Look Photos mich als einen neuen Fotograf beim Bundesverband professioneller Bildanbieter angekündigt hat.

Pressemitteilung Look Photos - Dave Derbis
Link zur Mitteilung beim BVPA

Solltest du noch keine Partner im Vertrieb haben, dann kannst du deine Fotos natürlich auch selbst vermarkten. Heutzutage sind natürlich die sozialen Medien recht wichtig um deine Fotos der breiten Masse schnell und einfach zugänglich zu machen. Aber auch dort, besonders bei Instagram, ist die Verschlagwortung sehr wichtig um deine Bilder bekannt zu machen.

Es ist auch nicht verkehrt Künstlerprofile in verschiedenen Foto- und Kunstseiten im Netz zu haben und seine Bilder dort mit anderen Fotografen oder Kunst begeisterten Menschen zu teilen.

Das Schreiben eines eigenen Blogs und das Präsentieren deiner Portfolio Bilder auf deiner persönlichen Webseite sind weitere Vermarktungsvarianten. Lokale Fotoclubs und deren öffentliche Ausstellungen sind ebenfalls eine Option, wie auch ein auf Fotografie bezogener Podcast.

In Fall das Interview-Anfragen von Webseiten, Foren, Zeitungen, Radio Sendern oder woher auch immer kommen, solltest du diese ruhig annehmen und auch auf diese Weise Werbung für deine Fotografie betreiben.

Wenn du dich gerne in der Öffentlichkeit präsentierst, kannst du auch noch einen Schritt weiter gehen und einen eigenen YouTube Kanal eröffnen und dort über deine Bilder und Fotografie sprechen.

Hier noch mal die wichtigsten Punkte zur Vermarktung deiner Fotos zusammengefasst:

  • Soziale Medien wie Instagram, Facebook, YouTube
  • Fotowebseiten wie DeviantArt, 500px, Fotocommunity, DSLR Forum
  • Eigener Blog / Webseite und Partnerblogs
  • Fotostammtische und Clubs, Austellungen
  • Interviews, Zeitungsartikel, Reiseberichte

Bilderdiebstahl im Netz

Urheberrechtsverletzungen und Bilderdiebstal sind keine Kavaliersdelikte! Und trotzdem passiert es ständig und zu tausenden im Internet. Die Bilder werden, trotz Wasserzeichen, Logo und Autorenhinweise in den IPTC Daten, einfach herunter geladen und für die eigene Webseite, Shop, Blog, Soziale Medien oder was auch immer benutzt. Das ist sehr ärgerlich und oft, wenn sich der Dieb nicht ausfindig machen lässt, weil der Betreiber der Seite sonstwo auf der Welt seine Heimat, kannst du wenig dagegen unternehmen.

Die meisten Agenturen und Verlage haben deswegen, spezielle Abteilungen, die darauf spezialisiert sind den Diebstahl deiner Fotos im Netz aufzudecken. Ich bekomme regelmäßig Anfragen, ob die Verwendung eines Fotos rechtmäßig ist. Das sieht dann ungefähr so wie in folgendem Screenshot aus. In dem Fall hatte ein Hotel eines meiner Fotos vom Bodetal illegal benutzt.

Klärung der Rechte
Klärung der Rechte

Du bekommst vom Verlag eine Email mit einem Link, wo du klären kannst, ob es eine rechtmäßige lizenzierte Nutzung ist, oder eben nicht. In letzteren Fall geht der Verlag dann die nächsten juristischen Schritte und du bekommst am Ende deinen Anteil und musst dich um nichts weiter kümmern. Das ist schon sehr angenehm, dass das die Agenturen übernehmen.

„Lieber Fotograf,
 
unser Recherchedienst hat Verwendungen Deiner Motive im Internet gefunden zu der wir keine Nutzungslizenz zuordnen können.
Zur Klärung der Rechte bitten wir Dich, über den Link … die Anfrage zu beantworten. „

Auszug aus Verlagsemail zur Klärung der Bildrechte

Aber auch, wenn deine Rechte bisher von keinem Verlag vertreten werden, kannst du selbst recherchieren, ob deine Bilder irgendwo gestohlen worden sind und illegal im Netz verwendet werden. Google bietet dazu die bequeme Reverse-Bildersuche an. Klicke einfach im Eingabefeld auf das Kamerasymbol. Dort kannst du entweder dein Bild direkt hochladen, oder dessen URL angeben. Die Suchmaschine listet dann alle Ergebnisse auf, wo dein Bild verwendet wird. Solltest du dabei auf eine illegale Nutzung stoßen, kannst du den Betreiber der Seite anschreiben und versuchen das direkt zu klären oder musst die nötigen rechtlichen Schritte alleine einleiten. Eine ebenfalls kostenlose Alternative zu Google bietet TinEye.com an.

Das Ergebnis der Reverse Suche sieht dann ungefähr so aus:

Bilder Revere Suche
Beispielhafte Bilder Reverse Suche

Fazit

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten mit der Fotografie Geld zu verdienen. Die eigenen Fotos online über Bildverlage, Agenturen und Postershops zu verkaufen ist eine davon. Es gibt ein paar anfängliche Hürden und Voraussetzungen. Zum Beispiel musst du rein handwerklich in der Lage sein, technisch einwandfreie Fotos mit einer hohen Bildqualität und Schärfe in einer ausreichenden Auflösung zu produzieren. Das heißt du musst am Anfang erstmal viel lernen und natürlich am besten mit Leidenschaft bei der Sache sein. Du brauchst die richtige Kameraausrüstung und das Wissen wie man solche Bilder erstellt. Dann musst du dir ein gewisses Portfolio von erstmal rund 100 Landschaftsfotos (oder auch einem Genre-Mix) aufbauen und dich mit deinen Top 20 Bildern bei den zukünftigen Partnern bewerben.

Bist du angenommen und alles vertragliche ist geregelt, geht es los mit der Verschlagwortung und Einreichung der Bilder. Je nachdem wie schnell und / oder gewissenhaft du dabei bist, kann das noch einmal recht viel Zeit in Anspruch nehmen. Sind deine Fotos erst einmal online und im Vertrieb der Verlage und Shops, heißt es dann Geduld haben. Ab da hast du nur noch wenig Einfluss darauf, wie gut sich deine Fotos verkaufen. Du kannst zusätzlich noch etwas Marketing selbst betreiben und dich und deine Arbeit online auf verschiedenen Kanälen und Plattformen bewerben.

Nach und nach kannst du dir dann immer mehr Partner erschließen, neue Bilder produzieren, immer wieder einreichen und weiter vermarkten. Ich bin mittlerweile bei drei großen Bildverlagen unter Vertrag und zusätzlich bei ca. 10 Onlineshops mit meinen Fotos vertreten.

Über einige Jahre kann man sich so ein konstantes passives Einkommen mit seiner Fotografie aufbauen. Aber, es ist nicht einfach und kein nebenbei mal schnell verdientes Geld. In dem ganzen Prozess, bis man an der Stelle ist, steckt schon sehr viel Zeit, Wissen und nicht zuletzt vorfinanziertes Geld, alleine für die Ausrüstung und die Reisen. Wenn Fotografie aber wie bei mir sowieso schon deine Leidenschaft ist und du Spaß daran hast, so ist dieser Weg auf jeden Fall einen Versuch wert. Es kann sich lohnen!

Wenn du Anmerkungen oder Fragen hast, lass gern einen Kommentar hier oder schreib mir direkt!

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Veröffentlicht von Dave Derbis

Ich bin Dave und seit über 15 Jahren leidenschaftlicher Landschafts- und Architekturfotograf. Meine Erfahrungen und mein über die Jahre zusammengetragenes Wissen in diesen Bereichen der Fotografie gebe ich gern hier auf diesen Seiten in den Bereichen Tutorials, Guides und Reisen an dich weiter. Um zukünftig keinen dieser Beiträge mehr zu verpassen, kannst Du einfach meinen kostenlosen Newsletter abonnieren oder den ebenso kostenlosen RSS Feed benutzen. Eine kleine Auswahl meiner Landschaftsfotos findest du hier in der Galerie und auf meiner persönlichen Foto Webseite.

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