Die Lesezeit beträgt in etwa ~ 5 Minuten.

Dieser Artikel stellt dir die 2019 neu gegründete Natur Zuerst Allianz von Naturfotografen namens Nature First Photography und deren Prinzipien im Umgang mit der Natur beim Fotografieren vor. Sie ist dem Ziel einer vorsichtigen und achtsamen Herangehensweise an die Naturfotografie gewidmet, bei der das langfristige Wohl der Natur Vorrang vor den kurzfristigen Zielen der eigenen Fotografie hat.

Natur Zuerst Logo
Natur Zuerst Logo

Vorstellung

In Zeiten der Sozialen Medien, in denen sich bis dato unbekannte Orte und schöne Bilder davon in vorher noch nie da gewesener Geschwindigkeit rasant ausbreiten können, wird deren Schutz immer wichtiger. Ein einziger viraler Post kann ausreichen, um unglaublich vielen Menschen zu motivieren selbst diesen Ort zu besuchen. Und damit zu dessen Zerstörung beizutragen. Nature First will das verhindern.

Touristenmassen am Skogafoss Wasserfall in Island
Touristenmassen am Skogafoss Wasserfall in Island

In der aktuellen Instagram und Facebook Ära wird es immer schwieriger zu leugnen, dass die Fotografie diesen schönen, teils noch unbekannten und ruhigen natürlichen Orten, die die Fotografen mit ihren Bilder ja eigentlich feiern möchten, tatsächlich leider Schaden zufügt. Es gibt schon einige Beispiele solcher Orte, deren Namen ich hier natürlich absichtlich nicht nenne. Seien es entlegene Bergseen in den Allgäuer Alpen, an denen unerlaubt gezeltet wird und der Müll liegen bleibt, oder niedergetrampelte Wildblumen Wiesen in den USA bis hin zum Massentourismus an den Gletschern in Island und Alaska. Zu viele Leute können solchen sensiblen Orten in der Natur sehr schaden. Viele der Besucher verhalten sich oft sehr egoistisch und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Natur vor Ort, oder Menschen die diesen Ort vielleicht später besuchen möchten und es natürlich schön wäre, wenn er auch in ein paar Jahren noch so aussehen würde, wie man ihn selbst vorgefunden hat.

An diesem rücksichtslosen Verhalten merkt man oft schon, dass diese Leute nur an „ihrem“ Foto (meistens ein Selfie) von diesem Ort interessiert sind, was sie dann irgendwo hochladen und teilen können. Es gibt ja sogar schon den Begriff der „Instagrammibilität“ eines Ortes. Mehr dazu kannst du in diesem Artikel in der FAZ nachlesen. Das artet mittlerweile so stark aus, dass selbst an relativ entlegenden Orten, die mit einer langen, Höhenmeter intensiven Wanderung verbunden sind, sich Schlangen bilden mit Leuten, die dort ein Foto von sich haben wollen. Der Andrang ist teilweise so groß, dass die Leute lange warten müssen, zu spät aufbrechen und die Rücktour im Dunklen starten und sich dann verlaufen oder ähnliches und gerettet werden müssen. Viele laufen auch ohne Planung und Verständnis vom Wandern, oder anderen Outdoor-Aktivitäten, völlig unwissend, einfach drauf los mit viel zu wenig Vorräten an Wasser, Nahrung und unzureichender und unpassender Kleidung.

Das habe ich selbst schon in Norwegen erlebt, als andere Touristen mit einer Art Schlappen oder besseren Flipflops den Reinebringen „erwandern“ wollten. Der ist allerdings teilweise bis zu 70% steil und keine einfache Wanderung, die man mal so nebenbei macht. Da kann man sich einfach nur noch an den Kopf fassen… Leider tragen auch die zahlreichen und gefühlt immer mehr werdenden Gruppen-Fototouren zur Zerstörung bei. Je nach Gruppenleiter verhalten sich die Leute meistens auch entsprechend seinem Vorbild. Aber auch allein die Anzahl der Leute ist beunruhigend. Selbst auf den Lofoten (viele Nicht-Fotografen haben noch nie von der Inselkette gehört) ist es teilweise so voll von Gruppen und anderen Touristen, dass das Naturerlebnis mittlerweile völlig auf der Strecke bleibt.

Gruppen Fototour Island
Eine der zahlreicher Gruppen Fototouren weltweit – hier zu sehen in Island

Eins der großen Ziele der Nature First Alliance ist es, Leute die keine Ahnung von Natur haben, oder sie nicht zu schätzen wissen und eher gefährden, nicht noch dazu ermutigen selbst diese sensiblen Orte aufzusuchen. Das Gleiche gilt für alle Fotografen weltweit. Da das Reisen an sich und auch die digitale Hardware wie gute DSLR Kameras immer günstiger werden, beschäftigen sich heute auch viel mehr Leute mit der Fotografie, als noch vor ca. 10 oder 20 Jahren. Deshalb appelliert Natur Zuerst auch an die vielen Naturfotografen da draußen. Folgend ihre sieben Prinzipien im Umgang mit der Natur.

Die 7 Prinzipien

Hier nur eine kurze von mir übersetze Version der sieben Prinzipien von Nature First Photography. Eine ausführlichere Version mit Erläuterungen findest du auf dieser Seite auf englisch.

  1. Das Wohlergehen der Natur sollte dir wichtiger sein, als die Fotografie
  2. Informiere dich im Vorfeld gut über die Orte die du fotografierst
  3. Denke über die möglichen Auswirkungen deines Handelns nach
  4. Übe dich in Diskretion, wenn du den Standort fotografierter Orte weitergibst
  5. Kenne die Regeln und Vorschriften des Ortes, wo du fotografieren willst – und befolge sie
  6. Befolge immer die „Leave No Trace“-Prinzipien (z.B. keinen Müll zurücklassen, nicht zerstören usw.) und bemühe dich, die Orte besser zu verlassen, als du sie vorgefunden hast
  7. Werbe für diese Prinzipien und informiere andere darüber
Leave No Trace Logo
Leave No Trace Logo – Link zur Webseite

Beitritt und Handeln

Da es immer mehr Fotografen und Selfie-Stick Handy Knisper gibt, die zunehmend die Natur mit ihrem Handeln zerstören, ist diese Allianz ins Leben gerufen worden. Sie soll mehr Toleranz und Verständnis für die Natur und deren Erhaltung schaffen und den Umgang mit ihr nachhaltiger gestalten.

Touristenmassen am Preikestolen in Norwegen
Touristenmassen am Preikestolen in Norwegen

Wenn du auch hinter diesen Werten stehst, sie vertreten kannst und selbst danach handeln willst, werde wie ich Mitglied dieser Allianz. Beherzige die Prinzipien beim Planen einer Tour oder Reise, draußen beim Fotografieren an sich und beim Veröffentlichen deiner Bilder im Internet.

Als Naturfotografen liegt es in unserer Verantwortung, nicht nur schöne Bilder zu erschaffen, sondern auch als Botschafter für diese wunderbaren Orte zu fungieren, die wir fotografieren. Mit der Verbreitung dieser Gedanken und Prinzipien unter möglichst vielen aktiven Fotografen hoffen die Gründer der Allianz, dass möglichst auch deren Familie, Freunde und Fans davon erfahren und es letztendlich auch bei der breiten Masse ankommt und mit Hilfe dieser Bewegung zu einem Umdenken kommt im Umgang mit der Natur und diese in den kommenden Jahren langfristig davon profitiert.

Link zur Webseite: NatureFirstPhotography.org

Wenn du Anmerkungen oder Fragen hast, lass gern einen Kommentar hier oder schreib mir direkt!

Natur Zuerst – die Allianz für verantwortungsvolle Fotografie! 1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 4,50 out of 5)

Loading...

Veröffentlicht von Dave Derbis

Ich bin Dave und seit über 10 Jahren leidenschaftlicher Landschafts- und Architekturfotograf. Meine Erfahrungen und mein über die Jahre zusammengetragenes Wissen in diesen Bereichen der Fotografie gebe ich gern hier auf diesen Seiten in den Bereichen Tutorials, Guides und Reisen weiter. Um zukünftig keinen dieser Beiträge mehr zu verpassen kannst Du einfach meinen kostenlosen Newsletter abonnieren oder den Feed benutzen. Wenn Du diese Seite unterstützen möchtest, nutze einfach meinen Link zu Amazon, falls Du dort etwas kaufen möchtest. Vielen Dank!

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.