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In diesem Wetter Guide für Landschaftsfotografie geht es darum, welche Motive du bei welchem Wetter am besten fotografieren kannst. Ich zeige dir anhand von Beispielfotos und unterschiedlichen Wettersituationen, wie du diese in Zukunft optimal für deine Fotografie nutzt.

Sonnenaufgang Heringstein
Sonnenaufgang in der Sächsischen Schweiz | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/25 Sekunde, ISO100 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Polfilter + Stativ

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Einleitung und Motivation

Eine der Grundvoraussetzungen für ein gelingendes Landschaftsfoto ist es, dass du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist. Aber auch bei der modernen Landschaftsfotografie und all den Vorhersagen und Apps, die es heutzutage gibt, lässt sich das Wetter nicht immer exakt voraussagen. Deshalb ist es wichtig, dass du auf nahezu jedes Wetter optimal reagieren kannst und trotzdem mit tollen Fotos im Kasten nach Hause kommst. Damit das klappt, musst du wissen, welche Motive sich bei welchem Wetter am besten fotografieren lassen.

Wetter Guide für Landschaftsfotografie
Sonnenuntergang mit Kamera und Stativ an einer Gletscherbucht

Ich hoffe, mit den Beispielen hier im Artikel kann ich deine Inspiration anregen und deine Motivation steigern, damit du zukünftig auch bei schlechtem Wetter rausgehst zum Fotografieren und dann trotzdem mit guten Fotos heimkehren kannst. Denn – im Grunde gibt es kein schlechtes Wetter für die Landschaftsfotografie. Aus fast jeder Licht- und Wettersituation lässt sich etwas machen, wenn du entsprechend auf die Bedingungen reagierst und vorbereitet bist.

Das beste Wetter für Landschaftsfotografie

Grundsätzlich sind wir Landschaftsfotografen ja meistens in den frühen Morgenstunden zum Sonnenaufgang oder spät abends zum Sonnenuntergang unterwegs, um das beste Licht für unsere Fotos zu bekommen. Damit ist z.B. das sanfte Licht der goldenen Stunde oder das Licht der blauen Stunde vor, während oder nach den Sonnenaufgängen und Sonnenuntergängen gemeint.

Wetter Guide für Landschaftsfotografie: bestes Wetter
Fjallsarlon Gletscher Bucht in Island zum Sonnenuntergang | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/30 Sekunde, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Im besten Fall sind dann noch einige hohe Wolken vorhanden, die das Licht einfangen können und sich rosa färben oder aber es ist richtig Drama am Himmel und es kämpfen sich ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolken und scheinen auf die Landschaft herab. Das sind die Idealbedingungen. Du kannst aber bei fast jedem Wetter und Licht gute Fotos machen. In den folgenden Abschnitten will ich dir dafür einige Beispiele geben.

Fotografieren bei schlechtem Wetter

Ein bekanntes Sprichwort für Landschaftsfotografen lautet: „Bad weather equals good photos“. Das bedeutet sinngemäß soviel, dass schlechtes Wetter gute Foto verheißen lässt. Und das stimmt auch. In den meisten Fällen machen dramatisches Licht und interessante Wolkenformationen im Himmel ein Motiv umso interessanter. Bei einem „langweiligen“ blauen Himmel ohne Wolken spricht man hingegen vom „Fotografischen Alptraum“. Das sind die beiden Extreme. In der Realität lässt sich aber bei fast jedem Wetter ein gutes Foto machen. Welche Motive sich bei welchem Wetter fotografisch lohnen und wann du mit der Kamera doch lieber zu Hause bleiben solltest, erfährst du im Detail anhand der folgenden Wetter Beispiele.

Gewitter und Sturm

Kalter und starker Wind ist einer der natürlichen Feinde des Menschen. Das Fotografieren oder stundenlange Wandern in einem Sturm empfinden die meisten daher als nicht sehr angenehm. Die Anstrengung kann sich aber durchaus lohnen. Wenn dramatische Wetterbedingungen Hand in Hand mit einzigartigen Lichtstimmungen auftreten, führt das zu spektakulären Fotos.

Das Foto unterhalb habe ich z.B. bei extrem starken Winden während der goldenen Stunde im norwegischen Fjell (Hochland) auf ungefähr 1390 Hm aufgenommen. Es hatte den ganzen Tag über geregnet und der Himmel war einfach nur grau und langweilig. Am Abend zog die Wolkendecke aber hier und da auf und dabei entstand dieses schöne Sturmlicht.

Sognefjellet Sturm
Sturmlicht im norwegischen Hochland | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/60 Sekunde, ISO64, EV-1,33 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Bedenke aber immer das Risiko! In einem Sturm oder gar einem Gewitter solltest du dich niemals in die Berge begeben, sondern schnellstens ins Tal absteigen oder einen sicheren Ort aufsuchen. Ich würde dir auch nicht empfehlen, dass du dich mit einem Stativ in der Hand während eines Gewitters auf eine offene Fläche stellst, wie das einige waghalsige Sturmjäger praktizieren, um beeindruckende Wolkenformationen oder ähnliches zu fotografieren. Bei dem Bild oben stand mein sicherer Camper nur ein paar hundert Meter entfernt.

Bedeckter Himmel und Regen

Bedeckter und grauer Himmel mit Regen eignet sich wunderbar, um im Wald zu fotografieren. Durch die Wolkendecke trifft nur sanftes und diffuses Licht auf die Landschaft. Das sorgt für weniger harte Kontraste in den Waldszenen. Durch die Feuchtigkeit des Regens leuchten die Farben, wie z.B. das Grün im Bild unterhalb, regelrecht.

Wald bei grauem Himmel und Regen fotografieren
Wald bei grauem Himmel und Regen fotografieren | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 0.8 Sekunden, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

💡 Bonus: Worauf du bei der Anwendung des Polfilters achten musst, erfährst du in meinem Polfilter Guide.

Ein Polfilter ist für diese Bedingungen ideal, da er Reflexionen auf den Blättern und Steinen entfernt und zusätzlich für mehr Farbintensität sorgt! Durch das wenige Licht, was bei diesem Wetter bis zum Waldboden vordringt, wirst du auch ein Stativ brauchen, da du mit den langen Belichtungszeiten nicht scharf aus der Hand fotografieren kannst.

Nach dem Regen

Nach einem ergiebigen Regenguss stehen die Chancen recht gut, dass interessante Bedingungen zum Fotografieren entstehen. Das Foto unterhalb entstand gegen 5 Uhr morgens nach einer sehr regnerischen Nacht in den Alpen. Die Wolken zogen zum Sonnenaufgang langsam auf und die Feuchtigkeit der Nacht stieg aus dem Wald auf und bildete den Nebel. Auf einmal war es für ein paar Minuten sogar komplett windstill und ich konnte die Spiegelung der Berge im See einfangen.

Wetter Guide für Landschaftsfotografie: Nach dem Regen
Sonnenaufgang und aufsteigende Feuchtigkeit nach dem Regen | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1 Sekunde, ISO64, EV-0,67 | Ausrüstung: Nikon D850 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Als ich gegen 4 Uhr aufgestanden war, hatte es allerdings noch leicht geregnet und diese Wetterbedingungen waren nicht vorhergesagt oder zu erwarten gewesen. Manchmal lohnt es sich, sich trotz einer schlechten Wettervorhersage auf den Weg zu machen und man wird belohnt.

Nach längeren Regenfällen schwellen die Pegelstände der Flüsse und somit auch die Wasserfälle an. Wenn du also ein Shooting an einem Wasserfall geplant hast, kann es sich lohnen auf Regen zu warten, damit mehr Wasser im Foto zu sehen ist.

Wasserfälle nach dem Regen
Viele Wasserfälle in einer Klamm nach ergiebigen Regen | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/40 Sekunde, ISO400, EV-1,33 | Ausrüstung: Nikon D850 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Noch ein kleiner Tipp am Rande für die Architekturfotografen. Nach einem Regenschauer in der Stadt haben sich meistens Pfützen gebildet. In diesen kleinen Minigewässern kannst du mit einem Weitwinkelobjektiv gut die Spiegelungen von Gebäuden fotografieren und damit interessante Bildkompositionen kreieren.

Bedeckt mit Nebel

Auch wenn es neblig, bedeckt und grau ist, lohnt es sich, den Fotorucksack zu schnappen und raus und die Natur zu gehen. Der Nebel hüllt die Landschaft regelrecht ein und sorgt für einen mystischen Look in den Fotos.

So auch im Beispielfoto unterhalb. Besonders im Wald trägt der Nebel zu mehr Tiefe bei und schwächt die starken Kontraste zusätzlich ab. Bei diesen Wetterbedingungen ergeben sich automatisch lange Belichtungszeiten, sodass du unbedingt dein Stativ und den Fernauslöser einpacken solltest.

Herbst im Ilsetal
Eine mystische Waldszene mit Nebel im Harz | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 2.5 Sekunden, ISO100 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

💡 Bonus: Bist du noch auf der Suche nach dem richtigen Stativ für dich und deine Kamera? In meinem Stativ Guide wirst du sicher fündig werden.

Über dem Nebel

Ein besonderer Augenschmaus ist es, wenn du dich über dem Nebel befindest und ihn in deine Bildkomposition als Teil der Landschaft integrieren kannst. Damit du diese Bedingungen erwischst, sind meiner Erfahrung nach aber gute meteorologische Kenntnisse beim Lesen der Wettervorhersage sowie gute Ortskenntnisse oder aber viel Ausdauer nötig.

Velen
Sonnenaufgang über dem morgendlichem Nebel | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/8 Sekunde, ISO200 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Für das Bild oberhalb habe ich z.B. mehrere Anläufe gebraucht. Ich stand auch schon zum Sonnenaufgang dort oben, konnte aber aufgrund des dichten und hohen Nebels kaum die Hand vor Augen sehen. Fotografieren sinnlos. Erschwerend kam hinzu, dass ich das Foto aufgrund des Sonnenstandes unbedingt im Februar aufnehmen wollte. Nach einer weiteren kalten Nacht im Auto und dem ca. 1-stündigen Aufstieg hat es dann aber glücklicherweise irgendwann geklappt und ich hatte das Foto im Kasten.

Nebel und Regen

Die Kombination von Regen und Nebel lockt normalerweise nicht viele Fotografen hinter dem Ofen hervor, aber selbst diese Wettersituation kann zu guten Fotos führen. Halte die Augen offen nach minimalistischen Bildkompositionen, die viel Ruhe ausstrahlen. Mithilfe einer Langzeitbelichtung mit Graufiltern und dem Polfilter kannst du Wasseroberflächen glätten und die vorhandenen Farben intensivieren.

Ocean Serenity
Regen und Nebel an der Ostsee in Kombination mit einer Langzeitbelichtung | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 30 Sekunden, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Das Wetter an jenem Januarabend lud nicht gerade zu einem Strandspaziergang ein. Aber da ich nun schon einmal vor Ort war und die Kamera mich verführerisch anlächelte, musste ich einfach raus. Ich war ganz alleine am Strand und es war mucksmäuschenstill. Durch den Nebel verschwamm die Grenze zwischen Meer und Horizont. Ich kam mir vor wie im Film „The Fog“. Nach einer Weile des Wirkenlassens habe ich einige Aufnahmen und verschiedene Techniken ausprobiert. Diese 30 Sekunden Belichtung während der blauen Stunde lässt die Ostsee wie einen ruhigen See mit einer Buhne erscheinen und wirkt auf mich sehr entspannend. Damit war ich dann zufrieden.

🔎 Tipp: An der Küste und bei leichtem Regen eignet sich das Hama Mikrofasertuch ideal zum Entfernen von lästigen Wassertropfen oder Schlieren beim Reinigen deiner Linsen und Filter.

Komplett bedeckter grauer Himmel

Bei einem bedeckten und grauen Himmel ohne Regen lohnt sich ebenfalls ein Ausflug in den Wald. Das gleichmäßige und diffuse Licht hilft, die schwierigen Kontrastverhältnisse in den detailreichen Szenen in den Griff zu bekommen. Stativ und Polfilter dürfen auch hier natürlich nicht fehlen.

Diffuses Licht im Wald | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1.6 Sekunden, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Das Foto erscheint normal hell. Tatsächlich war es aber durch den komplett bedeckten Himmel ziemlich dunkel in diesem Tal, sodass nur durch die relativ lange Belichtungszeit von 1.6 Sekunden das Histogramm mittig verteilt ist und nicht nach links (zu den dunklen Tonwerten hin) absäuft.

Grauer Himmel mit Zeichnung

Wenn der Himmel zwar bedeckt ist, sich hier und da aber Lücken bilden oder die Wolken auf unterschiedlichen Höhen aneinander vorbeiziehen, kannst du mit einer Langzeitbelichtung interessante Effekte erzielen. Es hilft, wenn du dir ein statisches Element für den Vordergrund des Bildes suchst und als Gegensatz dazu dann die ziehenden Wolken in die Bildkomposition integrierst.

Langzeitbelichtung am See
Langzeitbelichtung am See | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 80 Sekunden, ISO100 | Ausrüstung: Canon 5D + Canon L 16-35mm + Polfilter

Um tagsüber bei Blende 8 auf die Belichtungszeit von 80 Sekunden zu kommen, waren mehrere Graufilter nötig. Aber nur dadurch entstand der abstrakte Effekt im Wasser und den Wolken. Das hängt aber immer von der Stärke des Windes und der Fließgeschwindigkeit des Wassers ab. Auch hierbei gilt: probieren geht über studieren.

Blauer Himmel ohne Wolken

Der blaue Himmel ohne Wolken ist praktisch der Erzfeind des Landschaftsfotografen! Das Postkarten Wetter ist schön für Familienurlaube am Meer, aber schlecht für die Landschaftsfotografie. Es heißt auch das der blaue, wolkenlose Himmel der Alptraum der Landschaftsfotografen ist. Das muss aber nicht sein.

Im Licht der magischen Stunden können auch an einem wolkenlosen Himmel schöne Farbeffekte und Verläufe entstehen, die ein Bild interessant machen. Wenn du nun zusätzlich die Regel „Vordergrund macht Bild gesund“ und die Regeln der Bildkomposition im Hinterkopf behältst, steht einem gelungenem Landschaftsfoto nichts mehr im Wege.

30 Sekunden Langzeitbelichtung an der Ostsee mit Buhne | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 30 Sekunden, ISO100 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Auf dem freien Platz (dem sog. negativem Raum) im Himmel kann anstatt der Wolken gut leserlicher Text platziert werden und solche Bilder strahlen ebenfalls viel Ruhe aus, wodurch sie sich gut für Werbezwecke oder aber auch für eine freie Wand zu Hause eignen.

💡 Bonus: In meinem ausführlichen Guide erfährst du noch viel mehr rund um das Thema Fotos online verkaufen.

Sternenklarer Nachthimmel

Die Motivsuche lohnt sich selbst bei einem wolkenlosen Nachthimmel. Je nach Himmelsrichtung deines Bildvordergrunds und deiner Position auf der Erde, stehen dir die Milchstraße, Startrails oder sogar die faszinierenden Nordlichter zur Auswahl.

Milchstraße und Sterne

Die Milchstraße siehst du in unseren Breitengraden am ehesten in Richtung Süden. Voraussetzung ist natürlich ein wolkenloser und klarer Sternenhimmel und möglichst wenig Lichtverschmutzung. Das bedeutet, in einer Großstadt wirst du keine Chance haben, die Milchstraße mit bloßem Auge zu sehen. Am besten guckst du auf der Karte der Lichtverschmutzung, wo ein Ort in deiner Nähe ist, bei dem sich eine Nachtaufnahme lohnen könnte.

Mit Apps wie z.B. Photopills kannst du mit deinem Mobiltelefon auch schon tagsüber mithilfe von „erweiterter Realität“ (auch: augmented Reality) schauen, wo und wann die Milchstraße am Nachthimmel über dir zu sehen sein wird. Das hilft natürlich ungemein bei der Planung solcher Fotos.

Wetter Guide für Landschaftsfotografie: Milchstrasse und Sterne
Die Milchstraße am sternenklaren Nachthimmel | Zum Bild

Einstellungen: F/2.8, 30 Sekunden, ISO800 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Stativ

Für diese Aufnahmen brauchst du natürlich ein Stativ und solltest im manuellen Modus der Kamera die Blende möglichst weit öffnen mit manuellem Fokus auf unendlich. Je nach gewünschter Belichtungszeit kannst du dann sukzessive die ISO erhöhen. Bei mehr als 30 Sekunden Belichtungszeit fangen die Sterne aber durch die Erdrotation an unscharf zu werden.

📸 Tipp: Mehr über das fotografische Dreieck erfährst du im Artikel Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und ISO.

Nordlichter am Nachthimmel

Einmal im Leben die tanzenden Nordlichter am Nachthimmel beobachten zu können ist für viele ein Traum. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ein wirklich beeindruckendes Naturphänomen ist und regelrecht süchtig macht.

Um in den Genuss der Aurora Borealis zu kommen, musst du dich weit nach Norden oder Süden auf der Erde begeben und auf eine klare und dunkle Nacht warten. Die Saison ist ungefähr von Oktober bis März.

Nordlichter in Island
Nordlichter (oder Aurora Borealis) fallen vom sternenklaren Nachthimmel | Zum Bild

Einstellungen: F/2.8, 15 Sekunden, ISO800 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 14-24mm + Stativ

Das Schwierige beim Fotografieren der Nordlichter ist nicht nur die Kälte, sondern vor allem eine ausgewogene Bildkomposition zu finden. Die Lichter tanzen und fallen meistens nur relativ kurz an einer bestimmten Stelle vom Himmel, sodass du schnell reagieren musst und dir nicht im Vorfeld ein bestimmtes Motiv als Vordergrund zurechtlegen kannst. Frischer weißer Schnee oder Spiegelungen sind bei dieser Art der Nachtfotografie hilfreich, da sie die Teile der Landschaft im Bild weniger dunkel erscheinen lassen.

Startrails

Die sogenannten Startrails, auch Sternenspuren genannt, entstehen, wenn du den Nachthimmel mehr als 30 Sekunden belichtest. Am beeindruckendsten wird der Effekt sichtbar, wenn du den Polarstern im Norden des Nachthimmels ausmachst und deine Kamera mittig darauf ausrichtest.

Startrails mit Spiegelung
30 Minuten Belichtung des Nachthimmels | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1800 Sekunden, ISO100 | Ausrüstung: Canon 5D MkII + Canon L 16-35mm + Polfilter + Stativ

Das Bild oberhalb ist eine 30 Minuten Belichtung bei 16 mm Vollformat. Je näher du ran zoomst, umso sichtbarer werden die Sternenspuren bei gleicher Belichtungszeit. Du kannst entweder am Stück belichten oder im Rahmen einer Serienaufnahme sogenannte 30 Sekunden Brackets erstellen und diese dann über eine Software wieder zu einem Bild zusammen rechnen lassen. Mehr über die Startrailfotografie kannst du in meinem Artikel 10 Tipps für kreative Landschaftsfotos nachlesen.

Postkarten Wetter

Schneeweiße Wolken und stahlblauer Himmel über einer grandiosen Landschaft oder Aussicht. Das ist das perfekte Postkarten Wetter. Bei den klassischen Landschaftsfotografen etwas verpönt, aber ich persönlich mag diese Bedingungen zum Fotografieren und finde auch viel Freude an solchen Aufnahmen, die tagsüber entstanden sind und nicht im Licht der magischen Stunden erstrahlen.

Reine Lofoten, Norwegen
Postkartenmotiv in Nord Norwegen | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/160 Sekunde, ISO64, EV-0,67 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Die Erfahrung beim Verkauf der Fotos zeigt zudem, dass viele Endverbraucher das ähnlich sehen und hängen sich lieber Kalender und Fotodrucke an die Wand, die eine positive Atmosphäre ausstrahlen, als bedrohlich wirkende und dunkle Bilder. Lass dich also nicht zu sehr von den Fotografenklischees leiten. Auch tagsüber kannst du erfolgreiche und moderne Landschaftsfotos aufnehmen.

Schnee fotografieren

Eine verschneite Landschaft lässt sich nicht nur zum Ski Fahren und Rodeln nutzen, auch Landschaftsfotografie ist möglich. Eine mit Schnee bedeckte Landschaft wirkt meistens minimalistischer und friedvoller. Tagsüber kann es aber sein, dass einfach die Farben im Bild fehlen und vielleicht eine Schwarz-Weiß Konvertierung Sinn macht. Die Kombination von Neuschnee und ein farbenfroher Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang sind eher selten und daher umso kostbarer, wenn du sie mal vor die Linse bekommen solltest.

Schnee und Sturm am Gletscher
Schnee und Sturm am Gletscher | Zum Bild

Einstellungen: F/5.6, 1/640 Sekunden, ISO200 | Ausrüstung: Canon 5D + Canon L 24-105mm IS + Polfilter

Beim Fotografieren von Schneelandschaften musst du besonders auf die Belichtung achten. Die Kameras messen für den Schnee meistens zu kurze Belichtungszeiten, sodass dann alles matschig, dunkel und trüb wirkt. Dem kannst du entweder mit manuellen Belichtungseinstellungen beikommen oder du nutzt einfach die Belichtungskorrektur der Kamera und erhöhst diese sukzessive, bis der Schnee natürlich aussieht.

⚠️ Hinweis: In der winterlichen Kälte verlieren die Akkus schneller ihre Leistung. Trage die Ersatzakkus daher am besten relativ körpernah in der Jacke, anstatt im Fotorucksack.

Leicht bewölkter Himmel

Der Klassiker zum Fotografieren von Landschaften ist der leicht bewölkte Himmel am Morgen oder Abend. Die Chancen, dass die Wolken das sanfte Licht zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang einfangen und leuchten sind dabei am größten. Bei diesen Wetterbedingungen erreicht das Licht auch die Landschaft und taucht diese in eine farbenfrohe und magische Stimmung.

Carolafelsen Sonnenuntergang
Sonnenuntergang in der Sächsischen Schweiz | Zum Bild

Einstellungen: F/11, 1/4 Sekunde, ISO64 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter + Stativ

Oft erkunde ich die Orte, die ich fotografieren möchte, schon im Vorfeld – egal bei welchem Wetter. Das dient erst mal dem vertraut machen mit einer neuen Location und ich kann den Ort (ohne fotografischen Druck) in Ruhe auf mich wirken lassen und mir Gedanken um die Bildkomposition machen. Passt das Wetter auf Anhieb dann ist das natürlich umso besser, aber meistens sind viele Anläufe notwendig, bis das Licht so ist, wie ich mir das vorstelle. Da hilft nur langfristiges Beobachten des Wetters mit dem Wetterdienst deines Vertrauens und dann kurzfristiges Handeln und Daumen drücken.

Spezielle Wetterphänomene

Neben all den „normalen Wetterbedingungen“ in diesem Wetter Guide für Landschaftsfotografie gibt es noch spezielle Wetter Phänomene, die sich nicht so richtig kategorisieren lassen. Ein Regenbogen entsteht normalerweise nicht an Tagen mit einem fast makellosen blauen Himmel, sondern eher bei dynamischen Wetterbedingungen mit Sonne und Regen.

Durch die hohe Feuchtigkeit am Wasserfall und die direkte Sonneneinstrahlung am späten Nachmittag zeigt sich im richtigen Winkel dennoch ein beeindruckender Doppel-Regenbogen am Skógafoss in Island.

Skogafoss Wasserfall Regenbogen
Skogafoss Wasserfall mit Regenbogen | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 1/125 Sekunde, ISO80 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 16-35mm + Polfilter

Solche Wetter Phänomene lassen sich schwer planen und vorhersagen. Da hilft nur einfach viel draußen unterwegs zu sein und rum zu stromern. Wenn du viel in der Natur unterwegs bist, lernst du nicht nur mehr auf das Wetter zu achten (und wie es sich entwickelt), es erhöht auch die Chancen, einzigartige Lichtstimmungen und Momente zu erleben und fotografieren zu können.

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Wetter Guide für Landschaftsfotografie: Fazit

Mein Fazit nach unzähligen Fototouren, Erlebnissen und vielen Jahren als Landschaftsfotograf ist, dass es sich fast bei jedem Wetter lohnt, mit der Kamera raus in die Natur zu gehen. Für alle Wettersituationen und Lichtverhältnisse gibt es Motive, die sich fotografisch lohnen. Selbst an einem Tag mit bedecktem Himmel und Regen kann sich zum Sonnenuntergang eine Lücke bilden und den Wolken in dramatischem Licht anstrahlen, ohne dass das jemand vorausgesagt hätte. Raus gehen kann sich also auch selbst dann lohnen. Versuch macht klug.

Wetter Guide für Landschaftsfotografie: Fazit
Sturm zum Sonnenuntergang in den Bergen | Zum Bild

Einstellungen: F/8, 0.8 Sekunden, ISO64, EV-0,33 | Ausrüstung: Nikon D810 + Nikkor 24-120mm + Polfilter

Denke dabei aber immer an deine eigene Sicherheit und die deiner Begleiter. Auch das beste Landschaftsfoto ist es nicht wert, dafür sein Leben zu riskieren. Das Wetter ist allerdings nur ein Teilaspekt bei der Planung für Landschaftsfotografie. Im verlinkten Artikel stelle ich dir meine grundlegenden fünf Schritte bei der Planung eines Landschaftsfotos vor. Und denke immer dran: viel mit der Kamera draußen sein, hilft viel.

Was ist dein Lieblingswetter zum Fotografieren? Scheust du dich bisher vor vermeintlich schlechtem Wetter mit Regen, Nebel oder Schnee oder bist du auch immer gern draußen unterwegs? Fehlt dir eine bestimmte Wettersituation? Dann schreib es mir gern in den Kommentaren!

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Veröffentlicht von

Ich bin Dave und seit über 15 Jahren leidenschaftlicher Landschafts- und Architekturfotograf. Meine Erfahrungen und mein über die Jahre zusammengetragenes Wissen in diesen Bereichen der Fotografie gebe ich gern hier auf diesen Seiten in den Rubriken Tutorials, Ausrüstung und Reisen an dich weiter. Um zukünftig keinen dieser Beiträge mehr zu verpassen, kannst Du einfach meinen kostenlosen Newsletter abonnieren oder den ebenso kostenlosen RSS Feed benutzen. Eine kleine Auswahl meiner Landschaftsfotos findest du hier in der Galerie und auf meiner persönlichen Foto Webseite.

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